China droht Japans Schicksal
China droht Japans Schicksal

China droht Japans Schicksal

Platzt jetzt die Blase in China? Das Land erlebt den größten Investitionsboom aller Zeiten. Aber: Alle großen Investitionsbooms münden in eine ebenso große Krise.

In den vergangenen fünf Jahren hat China den größten Investitionsboom aller Zeiten erlebt. Er geht Hand in Hand mit einem der größten Kreditbooms aller Zeiten. Er gleicht dem Kreditboom Japans Ende der 80er Jahre auf frappierende Weise. Deshalb befürchte ich, dass er auch ähnlich verheerende Folgen haben wird.

Die Geschichte zeigt, dass alle großen Investitionsbooms in eine ebenso große Krise münden. Und der gesunde Menschenverstand reicht eigentlich aus, um zu erkennen, warum das so ist: Die Anzahl sinnvoller und ertragreicher Investitionsobjekte ist begrenzt. Deshalb kommt es in ausgeprägten Boomphasen zu Fehlinvestitionen, die zum Scheitern verurteilt sind. Je größer der Boom, desto mehr Fehlinvestitionen, desto größer die spätere Anpassungs- oder Bereinigungskrise.

Chinas bricht aller Rekorde

Nun übertrifft aber nicht nur der chinesische Investitionsboom den japanischen der 80er Jahre. Auch der Bankensektor Chinas ist noch erheblich aufgeblähter als der damalige Bankensektor Japans. Damit ist Chinas Bankenblase noch größer als ihre spektakuläre Vorgängerin in Japan.

Der folgende Chart gibt Ihnen einen Eindruck, wovon ich hier rede. Er zeigt Ihnen die Entwicklung der Bilanzsumme des Bankensektors Chinas, Japans und der USA in Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Wie Sie sehen, hat China inzwischen alle Rekorde gebrochen.

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Ein Drittel des Welt-BIP

Seit 2008 ist die Bilanzsumme des chinesischen Bankensektors von 9 Billionen Dollar auf 24 Billionen Dollar gestiegen. Diese Zunahme von 15 Billionen Dollar ist etwas höher als die Bilanzsumme aller US-Geschäftsbanken, die 14,6 Billionen Dollar beträgt. Dabei ist Chinas Wirtschaftsleistung mit einem BIP von 8,9 Billionen Dollar deutlich kleiner als die der Vereinigten Staaten mit 16,7 Billionen Dollar. Chinas Wirtschaftsleistung entspricht 12,2 Prozent des Welt-Bruttoinlandsprodukts. Aber die Bilanzsumme des chinesischen Bankensektors entspricht 33,1 Prozent des Welt-Bruttoinlandsprodukts.

Als Anfang der 90er Jahre Japan die Welt zu dominieren schien, erreichte das japanische BIP den Spitzenwert von 17,9 Pozent des Welt-Bruttoinlandsprodukts, und die Bilanzsumme des japanischen Bankensektors 27,3 Pozent. Inzwischen sind diese beiden Kennzahlen auf 6,8 Pozent beziehungsweise 11,8 Pozent gesunken. So ändern sich die Zeiten – demnächst wahrscheinlich auch in China. Deshalb bin ich mir sicher, dass wir das Thema China in den kommenden Monaten und Jahren noch intensiv besprechen werden.

PS: Die Anzeichen für ein Platzen der Blase in China mehren sich. Vielleicht beginnt die nächste große Krise ja im Fernen Osten?

Über Claus Vogt

Claus Vogt ist Gründer der Vermögensverwaltung Aequitas Capital Partners GmbH, einer auf vermögende Privatanleger und institutionelle Investoren spezialisierten Vermögensverwaltung. 2004 schrieb er zusammen mit Roland Leuschel das Buch "Das Greenspan Dossier". Gemeinsam schreiben sie nun den Börsenbrief „Krisensicher Investieren“. Kontakt: Webseite | Weitere Artikel