Modemesse öffnet für Verbraucher

Das Brandenburger Tor auf der Modemese BREADANDBUTTER in Berlin / Foto: Karin Lachmann Das Brandenburger Tor auf der Modemese BREADANDBUTTER in Berlin / Foto: Karin Lachmann
Die BREADANDBUTTER in Berlin war zum letzten Mal eine geschlossene Gesellschaft. Das Fernbleiben großer Markten zwingt zum Umsteuern. Jetzt soll der Endverbraucher helfen.

 

Es gab eine Zeit, das war BREADANDBUTTER der Gegenpol zum Mainstream. Sie wollte anders sein, überraschen, das war das Ziel von Karl-Heinz Müller und seinen Partnern. MIt dem Konzept zogen sie nach Barcelona und kamen 2009 als erster Mieter der Flughafen-Hangars von Tempelhof nach Berlin zurück. Damals kamen knapp 100.000 Besucher, die Musik war  laut, die Partys ausschweifend. Und die Promis kamen gerne.

Diese Tage sind vorbei. Es ging das Gerücht, Müller habe ernsthafte Probleme hat. Einige sagte gar, er stehe mit dem Rücken zur Wand. Auf der aktuellen Show füllte sein Team  zwei Hangars weniger als noch im vergangenen Juli. die Gründe sind kein Geheimnis: Die großen Aussteller von einst wie Nike, Tommy Hilfiger oder Diesel, wollen künftig nicht mehr kommen.

Digitale Neuausrichtung

Also musste sich Müller etwas Neues einfallen lassen. Bereits im Dezmeber ließ er die Katze aus dem Sack. Vor rund 150 geladenen Gästen aus der gesamten Modebranche präsentierte er SOHO House Berlin die Idee: Demnächst wird auch der Endverbraucher eingeladen. Die BREADANDBUTTER neben der gewohnten Fachmesse um zwei Public Days ergänzt.

„Einige haben bei der Vorankündigung behauptet: Ich bin verrückt geworden! Ich sage: Der Markt ist verrückt! Wir sind mitten in einer tiefgreifenden Veränderung des gesamten Marktes“, sagte Müller und weiter: „Die maßgeblichen Impulse für die Modebranche kommen nicht mehr allein von den Marken und Händlern oder der klassischen Presse. Fashionbegeisterte, gut informierte Konsumenten und Lifestyle-Blogger prägen immer stärker das Image von Marken und Labels und beeinflussen im zunehmenden Maße die Kaufentscheidung. Schließlich ist der Konsument der ultimative Kunde der Marken und Modehändler. Dabei spielt es letztlich keine Rolle, ob der Endkonsument stationär oder online kauft. Die neue BREADANDBUTTER möchte alle Marktteilnehmer ansprechen – am Ende werden alle von unserer neuen Ausrichtung profitieren.“

Marketing Director Joey W. Elgersma plant drei Phasen der digitalen Neuausrichtung der BREADANDBUTTER vor:

  • Phase 1 wurde bereits im November 2013 realisiert: das Endverbraucher-orientierte Online Magazin BBBMAG wurde erfolgreich gelauncht und verbindet die BREADANDBUTTER direkt mit dem Markt.
  • Im Sommer 2014 sollen Marken- und Händlerprofile online eingebunden werden und ein fester Bestandteil des Business werden.
  • In Phase 3, im Sommer 2015, wird es möglich sein, alle Profile miteinander zu verbinden. Marken, Händler, Presse & Konsumenten werden auf einer Plattform zusammengefügt. Das Ziel ist „to #bbbconnect“ an 365 Tagen im Jahr. Entwickelt wurde dieses Konzept gemeinsam mit dem Digitalstudio Parasol Island.

Einen Tag für Fachbesucher

Das neue Konzept der BREADANDBUTTER sieht also insgesamt fünf Messetage vor, von Dienstag bis einschließlich Samstag. Der erste Tag wird der Presse, Top Bloggern und geladenen V.I.P. Gästen (z.B. wichtige Händler und internationalen Partnern der Marken) vorbehalten sein. Die Einladung der V.I.P. Gäste wird weitestgehend über die ausstellenden Marken erfolgen. Damit rückt der erste Tag der Messe sehr stark in den Fokus für alle Beteiligten.

Impressionen der BREADANDBUTTER mit der Mode für den Winter 2014/15:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Der zweite und dritte Tag wird weiterhin ganz klar eine Fachmesse bleiben. Während diesen Tagen ist der Zugang ausschließlich dem professionellen Fachpublikum möglich. Am vierten und fünften Tag ist die BREADANDBUTTER auch für das interessierte, breitere Publikum zugänglich. Das ist neu, es wird also endlich zwei Endverbrauchertage geben. Diese Ergänzung bietet den ausstellenden Marken die Möglichkeit, ihre Marke oder ihr Label gegenüber dem Verbraucher zu promoten und zu bewerben.

Keine Einkaufs-Preise

Karl-Heinz Müller äußerte sich sehr eindeutig zu aufkommenden Zweifeln: „Die unterschiedlichen Interessensgruppen werden weiterhin fokussiert und selektiv eingeladen. Kein Einkäufer muss die Sorge haben, dass während seines Business Talks mit einem Vertreter einer Marke auch Endverbraucher anwesend sind. Während der Professional Days werden Endverbraucher keinen Zutritt zur Veranstaltung haben. Das können wir gewährleisten, da die BREADANDBUTTER bereits seit nunmehr sieben Jahren über ein routiniertes, aktives Guest Management verfügt.“

Selbstverständlich würden die Marken ihre Kollektionen nicht mehr mit Einkaufs-Preisen auszeichnen, sie sollten dem Endverbraucher natürlich nicht zugänglich gemacht werden. Die neue BREADANDBUTTER werde auch keine Verkaufsveranstaltung für fashionbegeisterte Endverbraucher. „Wir werden dem Handel keinerlei Konkurrenz machen“, versicherte Müller.

Preview auf den Sommer

Die Public Days haben das Ziel, dass die Marken ihre Produkte gegenüber dem Konsumenten bewerben und promoten. Welche Kollektionen die Marken während der Public Days zeigen, überlässt Müller  der ausstellenden Marke. „Manche werden sich darauf beschränken, die aktuelle Kollektion Herbst/Winter 2014 zu präsentieren, andere werden sicher den interessierten Fashionistas bereits eine Preview auf die neue Frühjahr/Sommer 2015 Kollektion gewähren. Wiederum andere werden sich auf bestimmte Produkte, Schwerpunkte oder Besonderheiten konzentrieren. Auf jeden Fall werden sich alle ins Zeug legen, denn die Motivation ist natürlich riesengroß. Am Ende des Tages wird der Handel profitieren. Davon bin ich überzeugt“, sagt Müller.

Außerdem sei eine Fachmesse mit anschließenden Endverbrauchertagen nun wirklich nichts Neues. Die IAA in Frankfurt, die Baselworld (Uhrenmesse), die Internationale Buchmesse in Frankfurt und die IFA (Internationale Funk Ausstellung) in Berlin seien  mit diesem Konzept seit Jahrzehnten sehr erfolgreich.

 

Print Friendly, PDF & Email