IWF-Angriff aufs Volksvermögen
IWF-Angriff aufs Volksvermögen

IWF-Angriff aufs Volksvermögen

 Die Schulden der Industrieländer seien auf dem höchsten Stand seit 200 Jahren und durch normale Maßnahmen nicht mehr abzutragen. Jetzt sollen die Bürger bluten.

 

Der Internationale Währungsfonds (IWF) zündet eine Bombe. In einem Arbeitspapier von Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff (ja, die beiden mit dem spektakulären Rechenfehler) sagt er weiten Teilen der westlichen Welt Staatspleiten, Sondersteuern auf Ersparnisse sowie höhere Inflation vorher. Anders sei der Schuldenberg der reichen Länder nicht mehr abzutragen. Die Schulden hätten den höchsten Stand in 200 Jahren erreicht.

Im Klartext: Den Ländern Europas und Nordamerikas steht eine Serie von Schuldenschnitten im Stil der 30er Jahre bevor, dazu jede Menge Grausamkeiten aus dem Werkzeug-Kasten des IWF, wie sie bislang mit Vorliebe Schwellenländern in Asien und Lateinamerika zur Abwehr von Finanzkrisen verabreicht worden sind.

Politik ist viel zu optimistisch

Laut Reinhart und Rogoff klammern sich Eliten im Westen bislang an die gefährliche Illusion, dass reiche Länder anders sind und sich daher mit einem Mix von Austerität, Wachstum und finanzieller Repression (schleichender Enteignung der Sparer) aus der Klemme befreien können. Den Parteien und Regierungen wirft der IWF eine kollektive Ausklammerung der Realität vor. Die Annahmen, die ihrer Politik zugrunde lägen, seien viel zu optimistisch.

Die Krise werde daher verschleppt, eine nachhaltige Lösung verhindert. Als Folge werde sich die Rechnung am Ende deutlich erhöhen. Eine Schuldenunion in der Eurozone könne den Druck zu schroffen Maßnahmen vorübergehend lindern, bürde aber den Steuerzahlern im Norden Europas höhere Kosten auf.

Deutschland soll Schulden erlassen

Dem Euroland könne als Folge eine fortgesetzte Rezession mit einer Verschärfung der Schuldenkrise und schlimmeren Folgen durch die Vergreisung drohen.

Für Deutschland ist die Botschaft in dem brisanten Papier klar: Deutschland und andere Kreditgeber in der Eurozone wären besser dran, wenn sie  in größerem Umfang Schulden erlassen, anstatt durch Kollektivierung der weiter wachsenden Schulden der Wackelländer kostbare Zeit zu kaufen und u vergeuden.

Selbst-Verblendung der Eliten

So heißt es in dem Papier zu der Selbst-Verblendung der politischen Eliten im Westen:

„In Europa, wo die Finanzkrise in mehreren Ländern zu einer Staatsschuldenkrise transformierte, ist die aktuelle Phase des Verleugnungs-Zyklus‘ von einer politischen Herangeehensweise gekennzeichnet, die auf der Annahme beruht, dass das normale Wachstum durch eine Mischung aus Strenge, Nachsicht und Wachstum wiederhergestellt werden kann. Dabei gehen sie davon aus, dass die entwickelten Länder nicht die üblichen Werkzeuge der  Schwellenländer verwenden müssen, zu denen  Umschuldungen, höhere Inflation, Kapitalkontrollen und erheblichen finanziellen Repression zählen.“

Das Papier zum Außmaß der Schulden im historischen Vergleich:

„Wie die Abbildung zeigt, entschuldeten die Schwellenländern in der Dekade vor der Finanzkrise, während die Schulden der entwickelten Volkswirtschaften Spitzen erreichten, die man seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr gesehen hatte. Gehen wir bis 1800 zurück, dann erreicht das derzeitige Niveau der Staatsverschuldung in den Industrieländern ein Zwei-Jahrhundet-Hoch.“

Müll bei Pensionsfonds abladen

Audrücklich wird in dem Papier erwähnt, dass verlustreiche und wertlos gewordene  Anleihen in einer kollektiven Müll-Aktion bei Pensionsfonds und Versicherungen abgeladen werden können, um in flankierenden Gesetzen dann eine wesentlich geringere Verzinsung als zuvor angenommen per Regulierung durchzupauken:

„Die finanzielle Repression wurde bereits erwähnt; Regierungen können Schulden in lokale Pensionsfonds und Versicherungsunternehmen stopfen und diese durch Regulierung dazu zwingen, weit niedrigere Renditen verlangen, als sie sonst akzeptieren würden.“

Über Markus Gaertner

Markus Gaertner war über viele Jahre freier Wirtschafts-Korrespondent mit Sitz in Vancouver. Heute arbeitet er für den Kopp-Verlag. Weitere Artikel