Wenn der Konsument K.O. geht

Die Zeichen sind untrüglich: 2014 kommen nicht nur die Wechelskurse in Rutschen, sondern die gesamte Weltwirtschaft. Mit welchen Folgen? Japan jedenfalls rüstet auf.

 

Die China Daily hat sich am 26. Dezember bitter beklagt: In Nanjing habe es keinen weihnachtlichen “Spirit” gegeben. Nicht, dass die Kommunisten das christliche Fest sonderlich schätzen würden. Aber den kommerziellen Teil der Feiertage nehmen sie seit einigen Jahren gerne mit. “Nähmen sie”, müsste ich eigentlich sagen, denn jetzt beklagen sie eben, dass die üblichen guten Umsätze im Einzelhandel und im Bewirtungs-Gewerbe diesmal ausgeblieben sind.

Viele Hotels, Bars und Einkaufs-Meilen, so lesen wir in der China Daily, haben 2013 erst gar keine Weihnachts-Bäume, Kerzen und Lichter aufgestellt, bzw. -gehängt. Santa Claus wurde ein Opfer der laufenden Anti-Korruptions-Kampagne des neuen Staatspräsidenten Xi Jinping. Dieser will die üppigen und ausschweifenden Feste, die sich Staatsdiener und Partei-Obere selbst und ihren “Klienten” gerne geben, streichen lassen.

Katzenjammer in Shanghai

In 5-Sterne-Hotels in Shanghai, das ein paar Autostunden östlich von Nanjing am Meer liegt, kosteten dieses Jahr die üppigen Bankette zu Weihnachten nicht 500 Dollar pro Kopf – wie 2012 – sondern eher bescheidene 150. Im vergangenen Jahr entsprach der Pro-Kopf-Preis für die offiziellen Dinner und Buffets noch zwei monatlichen Mindesteinkommen in Chinas Finanzmetropole.

Für Shanghais Nahrungsmittel- und Getränke-Industrie war der 24. Dezember über Jahre hinweg der umsatzstärkste Tag im Kalender gewesen. Und jetzt? Katzenjammer. Dieser wird auf absehbare Zeit anhalten. Denn für das chinesische Neujahrsfest Ende Januar hat die KP ihre Bankett-hungrigen Mitglieder ebenfalls schon gewarnt und auf Diät gesetzt: Keine opulenten Dinner, Feuerwerke, Blumen, Geschenke und Schnaps-Gelage bitte.

Nicht nur Apparatschik-Kehlen

Überall, so scheint es, muss abgespeckt werden. Im Westen heißt diese Übung im Gürtel-enger-schnallen schlicht Austerität. In China heißt sie Anti-Korruptions-Kampagne. In der Volksrepublik musste die Notenbank vor und während Weihnachten zudem viel Geld in den Kreditkreislauf zwischen den Banken einschießen, um einen befürchteten Infarkt zu lindern. Die Zinsen waren nach oben geschossen, weil sich einige Banken nichts mehr ausleihen wollten. Es sind also nicht nur Apparatschik-Kehlen in der KP und in den Staatsfirmen trocken geworden.

In den USA stottert derweil der stärkste Motor, den das Land bis heute hat: Seine Konsumenten. In der Woche bis Sonntag gingen die Verkäufe im US-Einzelhandel um 3,1 Prozent zurück. Es war die dritte Woche in Folge mit einem Minuszeichen gegenüber dem Vorjahr. Den Geschäften gelingt es – trotz vorgezogener Rabatte von bis zu 75 Prozent – nicht einmal, die Käufer bis in die Läden zu locken.

Überstunden für die Fed

Laut ShopperTrak, das 40.000 Retailer beobachtet, fiel die Zahl der Besucher in den Läden in der Woche bis Sonntag um satte 21,2 Prozent. Beim Boxen nennt man so etwas einen technischen KO. Das bedeutet in der Regel Abbruch des Kampfes. In den USA heißt das: Überstunden für die Fed, die jetzt schon wieder rätselt, ob sie den Stöpsel nicht viel zu früh gelockert hat.

Wo man hinschaut in diesen Tagen, die Konsumenten sind müde geworden. Auch in Thailand, wo ich noch bis morgen unterwegs bin. Die Regierung hatte in den vergangenen Wochen mit einem Steuernachlass von bis zu 3000 Dollar versucht, Erstkäufer in die Showrooms der Autohändler zu locken. Resultat: Viel zu viele Konsumenten, die sich einen Kauf eigentlich gar nicht leisten können, haben Verträge unterschrieben.

Asiens Exporte schrumpfen

Laut dem Automotive Industry Club of the Federation of Thai Industries haben mindestens 150.000 “Käufer” nie ihren PKW abgeholt. Sie hatten schon auf dem Rückweg vom Autohändler erkannt, dass sie sich kräftig verhoben haben. Im Falle Thailands – wie einiger anderer asiatischer Länder – kommt noch hinzu, dass seit drei Monaten die Exporte schrumpfen. Jetzt wird für den früheren Export-Tiger ein Handelsdefizit von 20 Milliarden Dollar im laufenden Jahr erwartet.

Die Zeitung “The Nation” want vor einem “düsteren Ausblick” für 2014. Selbst in Japan sind – trotz der Finanz-Feuerwerke im Rahmen von Abenomics, darunter eine Verdoppelung der Geldmenge bis 2014 – Ermüdungs-Erscheinungen nicht zu übersehen. Und die negativ wirkende Erhöhung der Umsatzsteuer in drei Monaten steht ja erst noch an.

Japan kämpft gegen den Kollaps

Ich kann mich langsam nicht mehr des Eindrucks erwehren, dass die Spannungen mit China um die Senkaku-Inseln, die in China Diaoyu heißen, ein von Japans Regierung aus ökonomischen Gründen provozierter Konflikt sind – einschließlich dem Säbelrasseln um die neue chinesische Luftsicherheits-Zone – um eine Remilitarisierung in Gang zu setzen, die Japans Konjunktur über direkten staatlichen Konsum zusätzlich anzuschieben vermag, damit sich der Kollaps noch einmal hinausschieben lässt.

Fassen wir zusammen: An der Wende zu 2014 fällt Weihnachten in China der politischen Hygiene zum Opfer, während die Notenbank die Finanzwirtschaft an den Tropf hängt und die Immobilienpreise ungebremst weiter steigen. In den USA lockert die Notenbank gerade einen Bypass für die Dümpel-Konjunktur, während eine Herzkammer der US-Wirtschaft – der private Konsum – zu flimmern beginnt.

Beschleunigte Aufrüstung

In Europa wird die ungelöste Schuldenkrise weiter hartnäckig ausgeblendet, während sie sich angesichts miserabler “Wachstumsraten” weiter verschärft und die Banken nicht aus ihrem Loch kommen. In Japan wird bereits DAS in die Wege geleitet, was nach misslungener Konjunktur-Belebung stets kommt: Die beschleunigte Aufrüstung. Und in Asien macht sich das Kapital aus dem Staub, das die Fed mit ihrer Tsunami seit 2008 dorthin gespült hatte.

So wie sich bei einer Ebbe leere Muscheln zeigen, werden dann leere Wohnnngen, unbezahlbare Dollar-Kredite und schwindsüchtige Währungen die nächste Misere einleiten. Währungen wie der Baht in Thailand, der Ringgit in Malaysia und der Singapur-Dollar haben seit der Fed-Ankündigung zu reduzierten Anleihe-Käufen 1 – 3 Prozent verloren.

Rutschen werden im nächsten Jahr aber nicht nur Wechselkurse.

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Über Markus Gaertner

Markus Gaertner war über viele Jahre freier Wirtschafts-Korrespondent mit Sitz in Vancouver. Heute arbeitet er für den Kopp-Verlag. Weitere Artikel