Abschied von der Bargeld-Wirtschaft

Zuerst kamen die “Geldhüter” ohne demokratisches Mandat. Dann überwältigten sie den Sparer mit ihren  Niedrig-Zins-Exzessen. Jetzt wollen sie ihn massakrieren.

 

Unter Null ? Oder über Null ? Gemeint sind die realen Zinsen, also das, was von unseren Zinseinnahmen nach Abzug der Inflation übrig bleibt. Die Frage klingt akademisch. Aber sie könnte 2014 die Welt spalten. Denn mit dem Wachwechsel an der Spitze der US-Notenbank zu Janet Yellen im Februar – und mit der wachsenden Angst vor einer drohenden Deflation in Europa und den USA – wird im nächsten Jahr eine scharfe gesellschaftliche Auseinandersetzung drohen.

Es geht um die Frage, ob die Notenbanker sich nach vier Jahren erfolgloser Pump-Arbeit am Geldstrom endlich eingestehen, dass sie im günstigsten Fall sehr begrenzten Erfolg hatten. Meiner Meinung nach haben sie lediglich Immobilienwerte, Aktien und Anleihen aufgeblasen, ansonsten aber die Wirtschaftswelt völlig verzerrt und durcheinander gewirbelt, ohne das Dümpel-Wachstum und die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit zu beenden, oder deutlich zu lindern.

Geld aus den Konten treiben

Anstoß und Start zu der drohenden Auseinandersetzung, die ich sehr bald kommen sehe, war vielleicht die Äußerung des ehemaligen US-Finanzministers Larry Summers am 8. November. Summers schlug Zinsen unterhalb der Null-Linie vor, Negativ-Zinsen also, um das Geld aus den Konten zu treiben und den Konsum anzukurbeln. Das ist für mich wie die Wahl zwischen einem Red Bull-Getränk und einem Aufbau-Präparat. Das eine “Elixier” gibt mir einen kurzen Pusch mit folgendem Rückfall, das andere verlangt Geduld, hilft aber nachhaltig.

Jedenfalls ist es an der Zeit, dass wir an den Punkt gelangen, wo ein Stop-Schild sichtbar hochgehalten wird: „Nach drei Akten Pumpaffen-Theater ist es Zeit, den Vorhang zu senken und eine neue Aufführung zu starten.“ Kein Wunder, dass selbst Leute wie Douglas Holtz-Eakin, ein ehemaliger Direktor des Budget-Büros im US-Kongress, aus der Haut fahren und sagen: „Wir hatten vier Jahre mit außerordentlich lockerer Geldpolitik ohne befriedigende Ergebnisse, und die einzige Idee, mit der die Kerle jetzt kommen, ist, wir brauchen noch mehr davon.“

Entfesselt pumpende Notenbanker

Diese Erkenntnis ist nicht so schwach verbreitet, wie es scheint. Vor einer Woche bezeichnete Barack Obama die wachsende Einkommens-Schere und die eskalierende soziale Ungleichheit allgemein als: „DAS bestimmende Thema unserer Zeit.“ Lassen wir die Notenbanker weiter entfesselt pumpen, versenken sie uns mit dem ganzen Schiff.

Jim Rogers bringt das heute schön auf den Punkt. Das globale Finanzsystem stehe vor dem völligen Kollaps, sagt er: “Schließlich wird die ganze Welt zusammenbrechen. Wir im Westen sitzen auf einem Berg von Schulden. Und die  USA sind die größte Schuldnernation in der Geschichte der Welt.“ Die Finanz-Antibiotika der Zentralbanken würden die Konjunktur nur künstlich am Leben erhalten. Und das könne keinen Bestand haben.

Den Weg abschneiden

Doch die Finanz-Eliten haben sich die Negativ-Zinsen in den Kopf gesetzt, es wird sehr schwer werden, ihnen diese weitere Attacke auf unsere Vermögen auszutreiben. Hier sehe ich den eigentlichen Grund für den allerorten beschleunigten Abschied von der Bargeld-Wirtschaft. Die Herren des Geldes wollen uns den Weg (aus dem Konto heraus) abschneiden. Ganz offen werden diese finsteren Pläne zum Beispiel von Danny Vinik im Business Insider ins Spiel gebracht:

„Wir könnten auch zu einer bargeldlosen Gesellschaft werden, in der es nur noch elektronisches Geld gibt. Dies würde es unmöglich machen, Geld außerhalb der Bank zu horten, so dass die Fed die Zinsen unter Null senken und die Leute zum Geldausgeben stimulieren könnte. „

Zuerst kamen die “Geldhüter” ohne demokratisches Mandat. Dann überwältigten sie die Welt mit ihren zunehmenden Niedrig-Zins-Exzessen, schredderten die Sparer und halfen, die Banken und die Regierungen zu Aldi-Konditionen zu refinanzieren. Jetzt wollen sie uns wie mittelalterliche Wegelagerer den Weg versperren, jeglichen Fluchtweg abschneiden, und uns dann mit dem Zins-Schwert massakrieren.

Drohender Zins-Raubzug

Wenn das keine Eskalation ist, was dann ? Daher erwarte ich im kommenden Jahr zunehmenden Widerstand gegen diese absehbare Vorgehensweise. Die immer weiter fallenden Inflationsraten (nach der offiziellen Messung) werden für den drohenden Zins-Raubzug dieselbe Art von Vorwand sein, wie man den Terrorismus als Vorwand für immer mehr Spähaktionen und eingeschränkte Grundrechte heranzieht.

Es wird eine scharfe gesellschaftliche Kontroverse darüber geben, ob das viele Geld, das die Notenbanken kreieren, nicht gleich in den Umlauf geschleust werden soll, in den es bislang nicht durchdringt, weil Banken es für höhere Kapitalpolster selbst verwenden, oder bei den Zentralbanken hinterlegen, anstatt es in Form von Krediten auszureichen. Dank der Minizinsen besorgen sich immer mehr Firmen ja auch ihr Geld über die Ausgabe von Anleihen selbst, was sich in den sinkenden Kredit-Volumina der Banken mit niederschlägt, aber selbst Firmen Kapital zuspült, die sonst keines bekommen würden, weil ihre Investitionspläne schwach sind, oder ihre Bonität fragwürdig.

Wir müssen uns wehren!

Aber das ist ja nur eine von so vielen Verwerfungen, die Notenbanker in diesen Zeiten anrichten. Das ist die Gefechtslage für 2014 und danach: Die Bernanke-Helikopter werfen jetzt nicht mehr Banknoten ab, sie werden mit QE-Massenvernichtungs-Waffen bestückt (Negativ-Zinsen). Um ein Massaker zu verhindern, müssen wir alle uns über Foren, Mails an Abgeordnete, Petitionen und Anrufe zur Wehr setzen und eine eigene Tsunami lostreten.

Gefragt ist eine QE-Watch Me. “Wenn Ihr diese rote Linie überschreitet, liebe Politiker und Banker, dann bekommt Ihr den Volkszorn wirklich zu spüren.” Wir laufen schnurstracks auf diesen Konflikt zu. Und wir haben gute Chancen etwas zu erreichen, wenn wir uns laut bemerkbar machen. Hier bin ich wirklich einmal optimistisch

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Über Markus Gaertner

Markus Gaertner war über viele Jahre freier Wirtschafts-Korrespondent mit Sitz in Vancouver. Heute arbeitet er für den Kopp-Verlag. Weitere Artikel