Italiens Marsch der Entwürdigten
Italiens Marsch der Entwürdigten

Italiens Marsch der Entwürdigten

Italien kommt nicht zur Ruhe. Nun formt sich der Protest der „Forconi“ gegen die Euro-Politik und die Regierung. Eine Million Menschen wollen Rom lahmlegen.

 

Italien erlebt eine neue Protestwelle gegen die Sparpolitik der Regierung. Die Demonstranten nennen sich die „Forconi“, also „die Heugabeln“. Italienischen Medienberichten zufolge wächst die Bewegung täglich, die ihren Ursprung in den ärmeren landwirtschaftlich geprägten südlichen Landesteilen hat. Vor allem in Apulien, Kampanien und Sizilien sei das Unbehagen groß.

Bislang ist in den deutschen Medien darüber kaum etwas zu lesen. Dabei ist die Bewegung alles ander als klein. In der kommenden Woche will sie in Rom eine Massendemonstration organisieren. Dazu erwarten die Organisatoren rund eine Million Menschen aus dem ganzen Land. GEOLITICO wurde übrigens durch einen Post im Gelben Forum darauf aufmerksam.

Das italienische Wirtschafts-Medium „Il sole 24 ORE“ schreibt, es habe bereits eine Vielzahl von Aktionen gegeben. So seien Straßen und Schienen blockiert worden, es gab Demonstrationen und Flugblatt-Aktionen. Allerdings sei unklar, wer „hinter dieser Revolte in den Straßen“ stecke. Inzwischen hätten sich auch Handwerker und Kaufleute, mittelständische Unternehmer, Arbeitslose , Studenten, Bürger und Sympathisanten der extremen Rechten den Protesten angeschlossen. In einigen Städten kam zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei.

„Mistgabeln sind ein Symbol vieler Volksaufstände gewesen“, sagte Franco Crupi einem Reporter von „Il sole 24 ORE“. Crupi soll einer der Sprecher der Protestbewegung sein. Er nannte die Demonstrationen einen „Protest der Menschen“, nicht von Organisationen. „Sie nehmen uns alles weg, unsere Häuser und sogar unsere Würde“, klagt Crupi über die Sparpolitik.

Auf ihren Flugblättern nennen sie 5 Gründe für ihre Aktionen:

  1. Der Protest richtet sich gegen die „Wild-West-Globalisierung“.
  2. Sie sind gegen „dieses Modell Europas“ und kämpfen für „die Souveränität der Völker“ in der Währungsunion. Der Austritt aus dem Euro oder die Einführung lokaler Währungen soll möglich sein.Dazu soll es eine Volksabstimmung geben.
  3. Ziel ihres Protestes sei es, die „die Demokratie zurückzugewinnen.“
  4. Die Mobilisierung richtet sich gegen die italienische Regierung. sie fordern ein neues Wahlgesetz und Neuwahlen so bald als möglich.
  5. Mit ihrem Protest wollen die „Forconi“ ihre Würde gegen die Austeritäts-Politik verteidigen.

Auf einer Facebook-Seite der Bewegung heißt es, sie sei ein Zusammenschluss von Landwirten, Hirten und Bauern. Sie alles seien es leid, von den Institutionen „schlecht behandelt zu werden. Die Seite wurde von Martin Morse, einem ehemaligen Unternehmer aus dem sizilianischen Marsala erstellt.

Über Günther Lachmann

Günther Lachmann ist Journalist und Autor. In seinen Beiträgen befasst er sich unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, zuletzt gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel