Ein Ausweg aus der Energie-Abzocke

Stromkunden zahlen für das Glühlampenverbot und „Grün-Strom“ aus verschandelten Landschaften. Das muss nicht sein! Sie können sich gegen die Abzocke zusammenschließen, schreibt LOTAR FLEISCHER*.

Elektrischer Strom und Treibstoff für Fahrzeuge sind die Intensivposten deutscher Haushalte. Betrachten wir „Otto-Normalverbraucher“, stellen wir ein seltsames Verhalten fest. Pendelt der Treibstoff zwischen 1 und 5 Cent pro Liter, vernehmen wir gähnende Leere an den Tankstellen einerseits und lange Schlangen andererseits.

Dabei schlägt dieser Unterschied maximal mit 50 Cent bis 2,50 Euro im Durchschnitt zu Buche, wenn wir annehmen, das Fahrzeug besitze einen 50-Liter-Tank. Umgerechnet ist das dann eine Ersparnis, bezogen auf die Tankfüllung, bei einem angenommenen durchschnittlichen Preis von 1,40 € pro Liter (Diesel), von max. 3,57 Prozent, meistens aber noch nicht einmal 1 Prozent.

Politikmärchen über CO2

Dafür nimmt der deutsche Autofahrer in Kauf, meist am Sonntagnachmittag, im Auto sitzend, bei laufendem Motor wegen der notwendigen Heizung im Winter oder der kühlenden Klimaanlage im Sommer, unter mehrmaliger Abschaltung und erneuter Startvorgänge des Motors sich langsam an die Zapfsäule heranzumanövrieren. Hat er dann die Zapfsäule erreicht, ist die Ersparnis meist kompensiert und es verbleibt lediglich die Beruhigungspille, es den Ölmultis mal wieder so richtig gezeigt zu haben, wo der Hammer hängt.

Schon vor Jahrzehnten untersuchte der ADAC auch, dass wiederholtes Abschalten und neu starten des Motors, um „im Stau“ langsam weiter zu rücken, weder dem Verbrauch noch der Haltbarkeit der Maschine besonders bekömmlich ist. Ob der durch unsere Politiker propagierte CO2-Ausstoß bei einem derartigen Verhalten positiv oder negativ zu Buche schlägt, soll hier unbeachtet bleiben. Inzwischen weiß beinahe jedes halbwegs gebildete Kleinkind, dass Pflanzen CO2 für´s Wachstum benötigen und die Klimaveränderung infolge CO2-Emissionen eines der zahllosen Politikmärchen ist.

Strompreis explodiert

Doch nicht nur beim Treibstoffeinkauf werden wir veralbert, weil hohe Steueranteile nicht ausreichen, weder die Straßen in Ordnung zu halten oder gar von Grund auf zu sanieren, geschweige mit diesen Steueranteilen die „Banken zu retten“. Ständig müssen neue Einkommensquellen für den „Staat“ erschlossen werden.

Jawoll, wir werden auch beim Stromeinkauf schlichtweg für dumm verkauft und abgezockt. Vielen Verbrauchern ist noch ein Strompreis um ca. 17 Cent/kWh im Gedächtnis, ein Wert aus den Jahren um die Jahrtausendwende, der inzwischen auf satte 28 bis 30 Cent pro Kilowattstunde geklettert ist. Nebenkosten für Grundgebühren, Ablesung, Zählermiete usw. mitunter nicht eingerechnet, die so den Strom auf bis zu 35 Cent/kWh treiben können. Damit wurde elektrische Energie seit der Jahrtausendwende um mehr als 100% teurer (ca.10% pro Jahr) und alle Prognosen sprechen für eine weitere Verteuerung.

Glühlampenverbot

Dank der zunehmenden Systeme zur „Öko-Strom“-Gewinnung und damit verbundener Einspeisevergütungen zulasten der Stromverbraucher, verschenken wir auch schon mal den nicht benötigten „Grün-Strom“ in´s Ausland zum „Aufpumpen“ der Speicherseen, von wo er dann zu Spitzenzeiten zu Spitzenpreisen aus einer österreichischen Turbine nach Deutschland zurückkehrt.

Da ist das „Glühlampenverbot“ zu Gunsten quecksilberhaltiger giftiger „Stromsparlampen“ doch ein richtiger Beitrag zur Kostendämpfung und Schonung der Umwelt, wird doch auf Kosten der Gesundheit der Menschen die Umwelt dadurch geschont, dass wir unsere Wiesen und Äcker mit Photovoltaikanlagen zupflastern und anstelle von Kastanien-, Buchenwäldern und Tannenforsten Windmaschinen in´s Panorama setzen, um „sauberen“ Strom zu erzeugen, ist eine ebensolche Widersinnigkeit.

 Ökostrom und Pkw-Maut

Wer diesen Sarkasmus nicht so recht verstanden hat, dem ist vielleicht auch nicht damit zu helfen, wenn ihm mitgeteilt würde, dass jede kW-Stunde augenblicklich „nur“ um 0,4 Cent pro kWh-„Ökostrom“ und Jahr teurer wird. Schließlich muss die generös zugebilligte Einspeisevergütung für diesen sog. „Ökostrom“ ja auch finanziert werden.

So wie die Einführung der Pkw-Maut mit dem Ausbau der Straßen begründet wird (wofür dient eigentlich dann die Kfz-Steuer?), begründet man auch die ständige Anhebung der Strompreise mit einem schlagenden Argument: Ausbau der Netze und Umsetzung der Energiewende. Das ist dem deutschen Verbraucher eine weitere Strompreiserhöhung gerne wert – zumindest behaupten dies die Statistiker von mehr als zwei Drittel der Bevölkerung.

Abzocke“ in Deutschland

Diesen Argumenten kann ich mich angesichts der dubiosen Zusammensetzung der Kraftstoffpreise, aber auch der Preise für elektrische Energie, der Trennung von Erzeugung und Netz und die zunehmende „Privatisierung“ der Energiesysteme nicht anschließen und sehe das ziemlich pragmatisch als „Abzocke“, der ich mich gern entziehen würde.

So werden beispielsweise am Firmensitz der Car-Genossenschaft in Triesen/Liechtenstein aktuell 11,26 Rappen pro kWh entrichtet inklusive aller Nebenkosten. Für ein Wohnobjekt der gleichen Genossenschaft in Deutschland müssen hingegen ab 1.1.2014 exakt 28,30 Cent/kWh zuzüglich 81,84 €/Jahr bezahlt werden. Bei einem Verbrauch von 5.000 kWh/Jahr (das Objekt wird elektrisch Warmwasser-fußboden-beheizt) ergeben sich daraus 1.496,84 € oder monatlich ca. 125,-€.

Deutsche zahlen das Dreifache

Wer nicht darüber informiert ist, dass ein „Cent“ aktuell dem Gegenwert von 1,2 „Rappen“ entspricht, kann natürlich auch nicht nachvollziehen, dass umgerechnet in Liechtenstein von dieser Genossenschaft ein Strompreis von ca. 9 Cent pro Kilowattstunde bezahlt wird. Wohlgemerkt, natürlich inklusive aller Nebenabgaben und Steuern. Damit würden sich Gesamtkosten für die gleiche Menge (5.000 kWh) von 563,-Franken oder 469,17 € pro Jahr oder 39,10 € pro Monat ergeben.

Bei einer Menge von nur 2.500 kWh summiert sich der Preis dann auf satte 31,57 Cent/kWh. Damit zahlt der deutsche Strombezieher nicht nur das Dreifache oder exakt 319,69 Prozent gegenüber seinem Schweizerischen/Liechtensteinischen Pendant und mehr, je stärker er seinen Stromverbrauch einschränkt, also „Strom spart“ und damit auf Komfort verzichtet.

Reduzierter Mitgliedspreis für „Strombezieher“

Diese Diskrepanz hat den Verwaltungsrat der Car-Genossenschaft bewogen, einmal nachzufragen, ob es nicht möglich sei, aus dem eidgenössischen Stromerzeugerverbund Strom nach Deutschland zu schicken, um seine dortigen Mitglieder zu versorgen – zu „schweizerischen“ Preisen versteht sich. Die Antwort war der des „Senders Eriwan“ vergleichbar:

Im Prinzip besteht schon die Möglichkeit und der gute Wille die Genossenschafter zu versorgen. Es müsse nur eine entsprechend große Menge Strom abgenommen werden, damit sich der damit verbundene Aufwand der Einrichtung und Durchleitung, sowie die Abrechnung und das Inkasso lohne.“

Die Genossenschaft hat die Antwort verstanden. Sie bietet „Strombeziehern“ eine Mitgliedschaft in der Genossenschaft zum reduzierten Mitgliedspreis von 72,- Euro pro Jahr, das sind gerade mal 6,- Euro pro Monat und weniger als die Grundgebühr des deutschen Stromversorgers. Dieser Betrag wird einem „Grundpreis“ gleichgesetzt, so daß keine weiteren Nebenkosten erhoben werden, außer dem Strompreis pro Kilowattstunde natürlich. Der wird ausgehandelt, wenn ein entsprechendes Potenzial an Kunden und Abnahmemengen nachgewiesen werden kann.

Eine Absichtserklärung

Darum hat die Genossenschaft eine Absichtserklärung in Form eines Formulars entwickelt, mit dem die Absicht zum Strombezug als Mitglied der Genossenschaft bekundet und der Stromverbrauch in diesem Haushalt nachgewiesen werden kann.

Die Frage ist jetzt lediglich, in welcher Zeit ca. 5.000 weitere Mitglieder mit ca. 3…5.000 kWh Stromverbrauch pro Jahr eine Absichtserklärung abgeben werden, um die Verhandlungen konkret wieder anzuschieben. Danach kann man doch dann getrost auch mal für 145 Cent/Liter (Diesel) tanken, wenn „gähnende Leere“ an der Tankstelle herrscht.

*Lotar Fleischer ist Vorsitzender des Vorstandes Car-Genossenschaft eG

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