Der zweifelhafte Jubel der deutschen Börsianer

Die Wirtschaftsweisen sehen die deutsche Wirtschaft vor dem Beginn eines Aufschwungs. Aber was sollen siedenn  auch schreiben? Bundesregierungen schätzen es nicht, wenn fast leere Gläser als fast leer bezeichnet werden, meint CLAUS VOGT*.

Wer die Berichterstattung über das Polittheater um den US-Staatshaushalt verfolgt hat, muss den Eindruck gewonnen haben, das Wohl der Welt hänge davon ab, dass die US-Regierung den gewaltigen US-Staatsschuldenberg auch weiterhin erhöhen darf. Dabei zeichnet die Finanzgeschichte ein ganz anderes Bild. Sie zeigt, dass alle großen Inflationen sowie der Niedergang ganzer Nationen mit einer ausufernden Staatsverschuldung Hand in Hand gingen.

Diese historischen Lektionen halten die zeitgenössischen Börsianer aber nicht davon ab, den S&P 500 Index und den DAX auf neue Allzeithochs zu treiben. Was soll’s, werden diese sich wohl sagen, solange alle fest daran glauben, dass etwas gut ist, muss es auch gut sein, oder? In unserer schönen neuen Welt entsteht Wohlstand eben durch Konsum auf Pump und durch den hemmungslosen Einsatz der Gelddruckmaschine. Und warum nicht? Einmal muss immer das erste Mal sein. Und das ist eben hier und heute.

Staatsfinanzierung mit der Notenpresse

Mir fällt es nach wie vor sehr schwer, zu dieser neuen makroökonomischen Glaubensrichtung zu konvertieren. Denn das angeblich Neue an ihr ist ja uralt. Bernanke, Draghi und Co. sind ja wahrlich nicht die Ersten, die Staatsfinanzierung mit der Notenpresse berteiben. Auf diese „geniale“ Idee kamen schon ganz andere, sogar die ansonsten wenig gewitzten Nationalsozialisten. Die Bernankes dieser Welt sind auch nicht die Ersten, bei denen diese Vorgehensweise zunächst erfolgreich zu verlaufen schien. Aber sie wären die Ersten, bei denen dieser Weg nicht ins Verderben führt.

Aber vielleicht galt der Jubel deutscher Börsianer ja gar nicht der frohen Staatsschuldenbotschaft aus Amerika, sondern Neuigkeiten aus der Heimat. Hier sahen sich die „führenden Forschungsinstitute“ anlässlich der Erstellung ihres von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen und wohl auch bezahlten Herbstgutachtens dazu gezwungen, ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr auf 0,4 Prozent zu halbieren.

Wer zahlt, bestimmt

Im Großen und Ganzen bleiben die Ökonomen aber – wie immer – optimistisch. Für das kommende Jahr reduzieren sie ihre Wachstumsprognose nur marginal, von 1,9 Prozent auf 1,8 Prozent. Aber ein Jahr ist bekanntlich lang und Revisionen gang und gäbe. Im Moment glauben sie jedenfalls – oder schreiben es zumindest -, dass die deutsche Wirtschaft im Jahr 2013 vor dem Beginn eines Aufschwungs stehe.

Nach dem Aufschwung ist natürlich immer auch vor dem Aufschwung. Und Bundesregierungen schätzen es nicht, wenn fast leere Gläser als fast leer bezeichnet werden. Warum also nicht von demnächst schon wieder randvollen Gläsern schreiben? Wer zahlt, bestimmt. Und wer weiß, wie meine Analysen ausfallen würden, wenn ich sie einer Regierung in Rechnung stellen dürfte?

Gebeutelter Edelmetall-Sektor

Während siegestrunkene Börsianer die Abschaffung der Marktwirtschaft bejubeln, befindet sich der Edelmetallsektor nach zwei Jahren fallender Kurse in einer schweren Depression. Dabei lehrt die Geschichte, dass Goldbesitzer zwar nicht unbedingt jubeln sollten, wenn der Staat den Weg in den Staatsbankrott beschritten hat, aber doch etwas weniger Grund zur Sorge haben müssten als Festgeldkönige, Anleiheinvestoren und – ja – auch Aktionäre. Davon ist im Moment aber nichts zu spüren. Auch in diesem Bereich erscheint die Welt wie auf den Kopf gestellt.

Immerhin gab es jetzt in Reaktion auf Obamas Sieg im Streit um noch mehr Staatsschulden ein erstes Lebenszeichen des gebeutelten Edelmetallsektors. Wie Sie auf den folgenden beiden Goldcharts sehen, kam es am 17. Oktober dieses Jahres zu einem kleinen Kurssprung von immerhin 2,5%. Aus charttechnischer Sicht erfolgte diese Bewegung in einem sehr entscheidenden Moment, denn die Kurse befanden sich in unmittelbarer Nähe einer relativ wichtigen Unterstützungszone.

Dynamische Bewegung

Außerdem hat der Kursverlauf der vergangenen Wochen die Gestalt eines fallenden Keils angenommen. Fallende Keile sind prinzipiell bullishe Formationen. In der Mehrzahl der Fälle erfolgt der Ausbruch aus einem fallenden Keil also nach oben. Und genau das ist jetzt passiert. Wie Sie auf dem Chart nachvollziehen können, ist der Goldpreis in einer dynamischen Bewegung über die obere Begrenzungslinie der Keilformation ausgebrochen. Diese Konstellation signalisiert eine Trendwende. Ab sofort dürfen Sie also wieder mit steigenden Goldpreisen rechnen.

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*Claus Vogt ist Gründer der Vermögensverwaltung Aequitas Capital Partners GmbH, einer auf vermögende Privatanleger und institutionelle Investoren spezialisierten Vermögensverwaltung. 2004 schrieb er zusammen mit Roland Leuschel das Buch “Das Greenspan Dossier”. Mehr zu Claus Vogt finden Sie hier.

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