„Ein AfD-Erfolg könnte bei Investoren Besorgnis erregen“

Ein Analyst der Deutschen Bank hat die Alternative für Deutschland über Monate beobachtet. Nun hält einen Wahlerfolg der AfD für möglich und mahnt, der Euro brauche die Transferunion.

Filiale der Deutschen Bank in Berlin / Foto: Karin Lachmann Filiale der Deutschen Bank in Berlin / Foto: Karin Lachmann

Ein Analyst der Deutschen Bank schließt einen Einzug der Alternative für Deutschland (AfD) in den Bundestag nicht aus. Seiner Ansicht nach könnte die Reaktion internationaler Investoren auf einen Wahlerfolg der AfD verhalten ausfallen.

„Ich schätze das Mobilisierungspotenzial der Partei als so hoch ein, dass ihr der Einzug in den Bundestag gelingen könnte“, sagt Nicolaus Heinen, Analyst für europäische Wirtschaftspolitik bei der Deutschen Bank. Er habe den Weg der Partei von der ersten Versammlung in Oberursel bis heute verfolgt. Das Mobilisierungspotenzial sei in Umfragen schwer zu messen, einen Eindruck vermittelten jedoch das enorme kurzfristige Spendenaufkommen, das Abschneiden in Prognosebörsen und nicht zuletzt die Präsenz der Partei in den sozialen Medien.

Familien- und Freundeskreis

„Es gibt eine hohe Facebook-Aktivität“, sagte Heinen. Anders als bei anderen Parteien stelle er eine enorme Bereitschaft der AfD-Anhänger fest, im Familien- und Freundeskreis für die Partei zu werben und so auch Nichtwähler zu aktivieren. „Falls diese Einschätzung zutreffen sollte, ist nicht nur entscheidend, welche Koalitionsbildung die AfD bewirken wird, sondern es stellen sich noch anderen Fragen“, sagt Heinen.

Während kurzfristig keine substantiellen Auswirkungen auf die deutsche Position in der Eurorettungspolitik zu erwarten seien könnte allein die Anwesenheit der Partei im Bundestag bei internationalen Investoren mit Blick auf die deutsche Euro-Politik Besorgnis auslösen. „Dies gilt vor allem vor dem Hintergrund der anstehenden Euro-Entscheidungen im Herbst und der Leitentscheidungen zu Fiskalunion und Bankenunion.“

Wie reagiert Merkel?

Diese verdeutlichten, dass die Eurozone in der gegenwärtigen Situation nur funktionieren könne, wenn die Rettungsmechanismen von den Hauptgeberländern politisch uneingeschränkt getragen würden. Die Finanzmärkte würden sehr genau beobachten, ob und inwiefern sich die allgemeine politische Stimmung in Deutschland langfristig ändern könnte. „Sie werden beobachten, ob Angela Merkel ihre Kommunikationsstrategie ändern wird und was von der AfD-Fraktion selbst zu erwarten wäre“, sagte Heinen.

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Über Günther Lachmann

Günther Lachmann ist Journalist, Autor und strategischer Berater der Thüringer AfD-Fraktion. In seinen Beiträgen befasst er sich unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, zuletzt gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel