Gustl Mollath – entlassen in eine zwielichtige Freiheit

Gustl Mollath ist ein Opfer der Justiz. Inzwischen ist er frei. Aber wird erneut erfahren, wie dieser Staat mit Bürgern umgeht, die Missstände aufzeigen, schreibt LOTAR FLEISCHER*.

 

Kein Zweifel, Gustl Mollath ist aus seinem Psycho-Knast entlassen. Wir alle sind erleichtert und meinen, unsere Proteste und Gebete haben bewirkt, der Gerechtigkeit und zum Sieg über Unrecht, Willkür, Rechtsbeugung, Lüge und Betrug verholfen zu haben.

Die einen werden diesen Erfolg für sich reklamieren, natürlich im demonstrierten Bewusstsein herrschender Rechtsstaatlichkeit in Deutschland, während die anderen den langen „Kampf“ gewaltfreien dauerhaften Protestes als Beispiel anführen werden, weitere „Ungerechtigkeiten“ in Deutschland anzuprangern und schließlich auf ähnliche Weise zu beseitigen. Es kann aber nicht darüber hinweg gesehen werden, dass weitere tausende Menschen aller Altersgruppen und jeglichen Bildungsstandes in „Altenheimen“, „Pflegeheimen“ und natürlich auch in psychiatrischen „Kliniken“ gegen ihren Willen und entgegen eines unterstellten „Krankheitsbildes“  in „Behandlung“ interniert sind.

Zwielichtige Freiheit?

Welche Lobbygruppe wird sich nun um diese verbliebenen „Häftlinge“ kümmern? Doch blicken wir einmal nach vorn und nicht zurück. Was bedeutet diese Freiheit für Gustl Mollath?

Eine in der Gefangenschaft selbst gezüchtete Pflanze, aus Kernen gezogen, die der „normale“ Mensch achtlos ausspucken würde, wenn er die betreffende Frucht verzehrt?

Und was noch ?

Entlassen aus einer dubiosen Gefangenschaft in eine zwielichtige Freiheit? Entlassen in die „bürgerlichen Ehrenrechte“ mit der Identität seiner Person, nachweisbar durch die Insignien eines Staates? Entlassen in seine ursprünglich hinterlassene Umwelt von Wohnung, Beruf, Freunden, Kunden, Bankkonto, Reisepass, Geburtsurkunde, private Andenken an zurückliegende bessere Zeiten?

Wird ihm „Wiedergutmachung“ zuteil werden?

Vergangenheit und Vorurteile

Nein, nichts dergleichen ist zu vermuten. Stattdessen das ersehnte „Wiederaufnahmeverfahren“ vor einem bundesrepublikanischen Gericht. Ein Verfahren, vergleichbar mit jenem, das ihm einst bescheinigte, gemeingefährlich zu sein? Ein Verfahren, vergleichbar mit jenem, das mit „Kollegen“ und „Gutachtern“ besetzt ist, die einem zweifelhaften „Ehrenkodex“ folgen, der seit der Ablösung der letzten deutschen Reiche schon immer dafür sorgte, dass eben jene „Gesetzeshüter“ immun gegen jegliche Fehlurteile in jedem „Rechtssystem“ sein durften?

Urteil Gustl Mollath / Foto: GEOLITICO

Urteil Gustl Mollath / Foto: GEOLITICO

Die niemals in der Vergangenheit ihre Vorurteile und daraus erwachsenen falschen Beschlüsse rechtfertigen mussten, geschweige zu verantworten hatten? Die gleiche Kategorie Juristen, die einen „Irren“ mit einer in nahezu acht Jahren Gefangenschaft selbst gezogenen Pflanze aus einem funktionierenden und Wohlstand bietendem eigenen Unternehmen nun in die Armut katapultierte?

Das Trauma eines Irren

Und was darf Gustl Mollath noch erwarten?

Rechtsprechung? Genugtuung? Materielle Wiedergutmachung? Wiederherstellung der Gesundheit und Beseitigung des Trauma´s ein „Irrer“ zu sein?

Werden wir erleben, dass der neuerliche Prozess zu einer „Bewährungsstrafe“ führt wegen „Gewalt in der Ehe“ und „Sachbeschädigung“, begangen im „Affekt“ und damit im „verminderten Zustand der realen Wahrnehmungs- und Urteilsfähigkeit“? Nur damit die „Einweisung“ in die „Klinik“ gerechtfertigt erschien und die in diesem Zusammenhang neu zu erstellenden „Psychiatrischen Gutachten“ nun die „Genesung“ dank der „kompetenten und fürsorglichen Betreuung“ attestieren werden?

Tägliche Demut vor dem Recht

Wollen wir das?

Oder erhoffen wir nicht vielmehr, dass die anschließend angerufene Zivilkammer die ehedem urteilende Richterschaft, die Gutachter, das Klinikpersonal und nicht zuletzt eine bayrische Justizministerin zum persönlichen Schadenersatz verurteilt?

Erhoffen wir, dass diese Clique nicht nur bei dem geschädigten Gustl Mollath, sondern bei der gesamten deutschen Bevölkerung öffentlich für das vorsätzlich begangene Unrecht um Verzeihung bittet? Dass diese Clique aus ihren Dienstverhältnissen, die sie missbrauchte, bei Entzug ihrer „staatlichen Bezüge“ ausscheidet und an den Stellen eine neue „Karriere“ beginnt,  die Ihnen tägliche Demut vor dem Recht und der Würde des Menschen abverlangt – als „Street-Worker“ in den Slums und auf den Müllhalden der ärmsten Länder dieser Welt?

Diese Demokratie wird beispielhaft vorführen, wie sie mit Bürgern umgeht, die Missstände aufzeigen, sich für das Recht einsetzen und für ein besseres Deutschland kämpfen.

*Lotar Fleischer ist Vorsitzender des Verwaltungsrates der Car-Genossenschaft eG

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