Ein Bilanzrisiko wie der atomare Schrecken des Kalten Krieges

Eigentlich sollte man sich diese Grafik über die Risiken der Deutschen Bank gar nicht anschauen. Wenn sie stimmt, ist sie mehr als furchterregend. Und ein Land wie Deutschland hätte nicht die geringste Chance.

 

Wo befindet sich die größte Ansammlung von Dynamit im Finanzsystem? Für Außenstehende ist das schwer zu sagen, denn die großen Banken sitzen schließlich alle auf einem Pulverfass. Eines der größten, wenn nicht das größte dieser Pulverfässer soll aber die Deutsche Bank sein. Stimmen die Zahlen, die Bloomberg veröffentlicht, dann haben die Derivate in der Bilanz der Deutschen Bank die Sprengkraft von einigen Hundert Atombomben. Jedenfalls ist die Explosionskraft so groß, dass es Deutschland 21 Mal restlos zerstören könnte.

Demnach soll die Deutsche Bank auf Risiken, die aus Derivaten resultieren, im Wert von 55,6 Billionen Euro sitzen. Als Zerohedge sich im Mai 2012 über den Stresstest der europäischen Banken lustig machte, bildete es eine Liste aus dem Hause Morgan Stanley mit allen unterkapitalisierten europäischen Banken ab. Die Deutsche Bank war nicht darunter. Warum nicht? Zerohedge:

„Die Deutsche Bank war so schlecht, dass sie nicht einmal auf der Liste der am meisten unterkapitalisierten Banken Europas auftauchen durfte – wir halfen da etwas nach und wiesen drauf hin, dass ihre tatsächliche Eigenkapitalquote unter zwei Prozent lag und also 60 Mal gehebelt wurde.“

Noch in diesem Frühjahr sagte der frühere Präsident der Kansas City FED, Tom Hoenig, der Kapitalzustand der Deutschen Bank sei „furchterregend“. „Die haben keinerlei Spielraum mehr für Fehler“, warte Hoenig und nannte einen Eigenkapitalquote von nur 1,63 Prozent.

Verstellter Blick

In der Bundesregierung und in Brüssel scheint das niemanden weiter zu interessieren. Im Gegenteil. Binnenmarktkommissar Michel Barnier wird gerade mal wieder eine heftige Liaison mit den Bankern nachgesagt. Für sie tut er fast alles, vor allem verhindert er die Regulierung der Finanzmärkte.

Und die deutsche Bankenaufsicht bescheinigt der Deutschen Bank sagenhafte Fortschritte auf dem Weg hin zu solidem Wirtschaften.

„Mit einer Kapitalerhöhung über 2,8 Milliarden Euro steigerte Deutschlands größtes Geldinstitut die harte Kernkapitalquote von 8,8 auf 9,5 Prozent. Das Ziel von 10 Prozent dürfte die Bank nun bereits vor 2015 erreichen. Mit der Quote stößt das Institut ins internationale Spitzenfeld vor“, schreibt das Manager Magazin.

Ein Blick auf die unten stehende Grafik vermittelt indes einen ganz anderen Eindruck. Am besten ist es, sie einige Minuten auf sich wirken zu lassen. Sie zeigt die Zukunft. Sie verdeutlicht, dass nur ein Funke genügt, damit das Pulverfass Deutsche Bank in die Luft fliegt. Und mit ihm Deutschland, und Europa, und…

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt im Verhältnis zu den aus Derivaten resultierenden Risiken der Deutschen Bank. Quelle: Zerohedge

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt im Verhältnis zu den aus Derivaten resultierenden Risiken der Deutschen Bank. Quelle: Zerohedge

Über Günther Lachmann

Günther Lachmann ist Journalist und Autor. In seinen Beiträgen befasst er sich unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, zuletzt gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel