Bürger wollen die Energienetze von den Konzernen zurück
Bürger wollen die Energienetze von den Konzernen zurück

Bürger wollen die Energienetze von den Konzernen zurück

Nach der Bildungsreform zeigen die Hamburger ihren Politikern wieder einmal die rote Karte. Per Volksentscheid wird bei der Bundestagswahl über den Rückkauf der Energienetze abgestimmt.

Freileitung mit Transformatorabzweig / Quelle: Wikipedia/Heidas

Freileitung mit Transformatorabzweig / Quelle: Wikipedia/Heidas

Am 22. September stimmen die Bürger der Hansestadt Hamburg über den Rückkauf der Energie-Netze ab. Die bisherigen Betreiber Vattenfall und E.ON wehren sich kräftig gegen einen möglichen Verlust des einträglichen Geschäfts mit Strom und Gas, werden sich aber der Mehrheitsentscheidung fügen müssen.
Die Energiekosten sind in den letzten Jahren in die Höhe geschossen. Auf Kosten der Bürger, die von der Energieversorgung abhängig sind, erzielen Konzerne immer höhere Renditen. Die Hamburger wollen sich nun nicht mehr länger von dieser Maximal-Profit-Politik gängeln lassen und stimmen am Tag der Bundestagswahl am 22. September über die Rekommunalisierung der Energie-Netze ab. Dafür nötig war ein erfolgreiches Volksbegehren. 116.000 gesammelte Unterschriften konnten hierzu dem Senat vorgelegt werden.
In der Presse ist bisher kaum etwas über den Volksentscheid zu lesen. Das „Hamburger Abendblatt“ berichtete bisher, wenn überhaupt, sehr kritisch über den möglichen Rückkauf der Energie-Netze. „Studie: Netzerückkauf lohnt nicht“ hieß es etwa am 18. April und meint damit die Untersuchung der Unternehmensberatung Putz & Partner, in der die Autoren es für sehr unwahrscheinlich halten, dass durch die Rekommunalisierung die Strompreise sinken würden. „Die Unternehmensberatung, die die Studie selbst finanziert habe, unterhält nach eigenen Angaben Verbindungen zu 14 Vattenfall- und 17 E.ON-Gesellschaften“, weiß dazu ad-hoc-news zu berichten.
Die Initiatoren des Volksentscheids „Unser Hamburg – Unser Netz“ warnten nur einen Tag nach der Veröffentlichung der Studie in einer Pressemitteilung:

„Die Gutachter missachten neuere Erkenntnisse der Bundesnetzagentur zur den Renditen aus dem Netzbetrieb. Erst im März 2013 hatte der Chef der BNA, Jochen Homann, dargelegt, dass die 10 größten Verteilnetzbetreiber Eigenkapitalrenditen von mehrmals 10 Prozent erzielen. Putz & Partner zitieren eine Quelle, der zufolge eine Rendite zwischen2,87 Prozent und 5,8 Prozent zu erwarten sei. Die Unternehmensberater versuchen offenbar, den von vielen Experten als „sicheres Geschäft“ eingestuften Netzbetrieb vor dem Hintergrund der politischen Debatte in Hamburg als riskant und wenig ertragreich hinzustellen.“

Diese Gegenposition fand in der Presselandschaft jedoch kaum Gehör. Warum diese karge, und wenn, dann einseitige Berichterstattung? Es darf zumindest vermutet werden, dass man ertragreiche Anzeigenkunden wie Vattenfall und E.ON nicht vergraulen möchte, zudem die Zeitungen unter sinkenden Auflagen und einen hart umkämpften Anzeigenmarkt leiden.
Spätestens wenn den Hanseaten die Wahlunterlagen in die Briefkästen flattern, werden sie sich entscheiden wollen, ob sie ihre Energieversorgung weiterhin Konzernen anvertrauen wollen, deren Natur es ist, den maximalen Profit zum Wohle ihrer Aktionäre zu erwirtschaften. Anzunehmen ist aber eher, dass sich die Bürger für den Rückkauf entscheiden, und damit für eine Energiepolitik zum Wohle der Allgemeinheit, zum Wohle der Hamburger Bürger.

Weitere Texte von Björn Kügler/Denkland finden Sie hier.

Über Björn Kügler

Björn Kügler ist freier Schreiber. Auf GEOLITICO beschäftigt er sich vornehmlich mit gesellschafts-politischen und sicherheitspolitischen Themen. Kontakt: Webseite | Facebook | Twitter | Weitere Artikel