Der moderne Mensch ist ein Zinsknecht!

Er arbeitet immer mit dem Gefühl, nie fertig zu werden, nie ein Ziel erreicht zu haben. Und er ist  gefangen in einem Dschungel aus dubiosen Nachrichten, Vermutungen, falschen Doktortiteln, Gas-, Strom- und Mieterhöhungen, Bankenskandalen und Großbauprojekten...

Geburtsstunde / Quelle: Wikipedia/Ernest F Geburtsstunde / Quelle: Wikipedia/Ernest F

Die Kritik an Bankenrettungen gehört inzwischen zum guten Ton. Trotzdem marschiert der deutsche Steuerzahler brav der Zinslast unserer Staatsschulden hinterher, oft ohne zu wissen, dass die Zinslast schneller steigt als das Wirtschaftswachstum. Konsum und Unterhaltung verdrängen die nötigen Fragen. Diese Überforderung von Körper mit Geist macht immer mehr Deutsche krank.

Der Bund ist mit über 2 Billionen Euro bei den Finanzinstituten verschuldet. Allein für 2013 beträgt die dazugehörige Zinslast fast 33 Milliarden Euro. Das sind über zehn Prozent der Gesamtausgaben des Bundeshaushaltes, finanziert über die Steuereinnahmen. Die Schulden selbst werden nicht abgebaut, sondern 2013 noch einmal deutlich erhöht, vor allem um angeblich systemrelevante Banken zu „retten“. Genau die Banken, bei denen Deutschland in der Kreide steht. Die Finanzhäuser verdienen sich so zweifach dumm und dusselig. Pikant dabei ist, dass die Banken kein Geld verleihen, das sie irgendwo im Tresor haben, sondern es quasi aus dem Nichts erschaffen.

Der Arbeitnehmer bekommt von diesen Hintergründen kaum etwas mit und bezahlt brav die Hälfte von seinem Verdienten an das Finanzamt und ein Teil davon an die Banken. Von der anderen Hälfte des Gehalts werden dazu Mehrwertsteuer, Benzinsteuer, Energiesteuer, Tabaksteuer, Alkoholsteuer usw. bezahlt. Hinzu kommen auch noch private Schulden, deren Zinsen und Tilgung ebenfalls finanziert werden müssen.

Und so malocht sich der Zinssoldat von Quartal zu Quartal durchs Leben. Immer mit dem Gefühl, nie fertig zu werden, nie ein Ziel erreicht zu haben, weil von Quartal zu Quartal mit den Zinsen auch die Anforderungen wachsen.

Ein Hundeleben / Gustave Dore: Houndsditch 1872 / Quelle: Wikipedia

Ein Hundeleben / Gustave Dore: Houndsditch 1872 / Quelle: Wikipedia

Womit wir beim vielbeschworenen Wachstum sind. Ein Wachstum, das kaum einer spürt. Es sei denn, man gehört zu den Zinsverdienern. Denn der Zins wächst exponentiell, und damit wachsen die Einnahmen Zinsverdiener exponentiell, die wiederum den Druck auf die Zinssoldaten erhöhen: den Steuerzahlern!

Dieser Druck muss abgebaut werden. Jeden Abend! Eine Ekelshow wie „Das Dschungelcamp“ erzielt nicht ohne Grund Rekordquoten. Die diesjährige Nominierung für den Grimme-Preis lässt zumindest den Verdacht aufkommen, dass diese Nominierung keine Verbeugung vor dem Anspruch auf Qualität ist.

Aber es scheint wichtig zu sein, dass in diesem Dschungel aus Nachrichten, Vermutungen, falschen Doktortiteln, Gas-, Strom- und Mieterhöhungen, Bankenskandalen und Großbauprojekten, in dem das alles einem IRGENDWIE komisch vorkommt, dass man also in dieser Gemengelage  sein sicheres Domizil, vielleicht sein Dschungelcamp braucht. Kurz ausruhen und andere leiden sehen oder sich darin bestätigt zu fühlen, wie sich Gerechtigkeit zeigt, in dem der Gauner immer gefasst wird. Zurück bleibt die Überforderung und der Wecker, der am nächsten Morgen klingelt.

Gottfried Feder: Das Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft

Gottfried Feder: Das Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft

Trotz dieser  gut geölten Ablenkungsmaschinerie spürt jede Seele irgendwann, dass dieses ziellose Arbeiten, das iPad und das Dschungelcamp nicht wirklich der Kern des Lebens sind. „Stopp! In the name of love!“, ruft der Soul. Und dann geht’s einfach nicht mehr. Hier mal ein paar Fakten, wie es mit unserer gesunden Wirtschaft, also den Menschen, die hinter diesem Wort stehen, bestellt ist:

“Jeder Vierte stirbt an Krebs.” DIE ZEIT, 04.02.2013

“Zwölf Prozent der Gesamtbevölkerung, leiden an Diabetes – die meisten an Diabetes Typ 2.” diabetes.de

“Jeder zehnte Arbeitnehmer in Europa, so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage, ist schon einmal wegen einer Depression zu Hause geblieben. Schätzungen zufolge betragen die Kosten dafür fast 100 Milliarden Euro.” Spiegel-Online, 01.10.2012

“Deutsche Krankenkassen schlagen Alarm: Immer mehr Berufstätige werden psychisch krank. Krankheitstage aufgrund von Burnout-Syndromen seien innerhalb von acht Jahren um das 18-fache gestiegen, berichtet die “Welt am Sonntag” unter Berufung auf Zahlen des BKK-Bundesverbands.” Stern.de, 26.01.2013

“Es ist ein besorgniserregender Trend: Immer mehr deutsche Arbeitnehmer geben ihren Beruf auf, weil sie unter psychischen Krankheiten leiden. 2011 erreichte die Zahl einen Rekordwert: 41 Prozent der Arbeitnehmer, die eine Erwerbsminderungsrente beantragten, wollten sich wegen Depressionen, Angststörungen oder anderer seelischer Leiden vor dem 65. Lebensjahr in den Ruhestand verabschieden.” Spiegel-Online, 30.12.2012

Und wenn es gut läuft, kommt der brave Zinssoldat bis zum ersten Rentenbescheid durch. Der dürfte dann allerdings eher ein Armutsbescheid sein.

Aber vielleicht sind wir ja keine Zinssoldaten, sondern eher Zinsakrobaten. Denn irgendwie bekommen wir es ja hin, uns so lange zu verbiegen, bis uns Beifall gespendet wird. Und jetzt raten Sie mal, wer da am lautesten klatscht … Und übrigens: Wenn jeder vierte Deutsche an  Krebst stirbt, dann nicht weil er zuviel geraucht oder getrunken hatte. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen sind im größten Teil die Verdauungsorgane für den tödlichen Ausgang ermittelt. Nicht nur Liebe geht durch den Magen!

Weitere Texte von Björn Kügler/Denkland finden Sie hier.

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Ergänzender Hinweis:

Gottfried Feder: Das Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft des Geldes, aus dem Jahr 1919

Über Björn Kügler

Björn Kügler ist freier Schreiber. Auf GEOLITICO beschäftigt er sich vornehmlich mit gesellschafts-politischen und sicherheitspolitischen Themen. Kontakt: Webseite | Facebook | Twitter | Weitere Artikel

7 Kommentare zu Der moderne Mensch ist ein Zinsknecht!

  1. Ein zwar knappr, aber dennoch herausragender Beitrag im Wortsinne.

    “…Der Arbeitnehmer bekommt von diesen Hintergründen kaum etwas mit und bezahlt brav die Hälfte von seinem Verdienten an das Finanzamt und ein Teil davon an die Banken…”

    Leider doch, denn wenn immer mehr privatisiert wird, wird der Druck am Ende unendlich groß, und er zahlt sich dumm und krumm, noch mehr als jetzt schon.

    Mir ist aufgefallen, dass es niemand nicht wirklich zu stören scheint, dass die Banken, die Eigentümer haben sollen – sog. Menschen -, Geld verleihen, was es gar nicht gibt. Sind die Menschen wirklich so dumm, dass sie die Implikationen nicht verstehen können?

    Wenn die Welt bald ein paar Familienclans gehört, ist es sicherlich gut, dass Geld nur für Eigentum entsteht und nicht für menschliche Lesitung.
    Somit sind sie fein raus, sie, ein paar Tausend, besitzen die Welt, und wir, die Minderheit von 7 Mrd., sind ihre Sklaven.

    “Kammanixmachen, Willi, noch ‘en Bier.!

  2. Bänker (Geldgeber) und Politiker (Verordnungsgeber) und Unternehmer (Arbeitgeber) sind die besseren Menschen und sie wissen was sie tun und wollen, basta! Und es gehört sich nicht, Bänker oder Politiker oder ganz Erfolgreiche, auch wenn sie manchen Leuten noch so viel Unglück beschehrt haben, einfach so zu kritisieren…

    Wir leben in einer Zwei-Klassengesellschaft. Wer noch mit den Händen arbeitet, muss halt davon leben. Wer mit dem Kopf arbeitet, hat es schon besser und am besten hat es der, der Anderen sagt, was sie zu tun oder lassen haben, der lebt um Klassen besser. Sorry, die Juris habe ich noch vergessen, die Anderen sagen, was Recht ist oder sein soll: Vor Gott und auf hoher See…

    Sozial-Demokratie war mal ein Synonym für sowas wie eine Art von Gerechtigkeit. Heute nennt es sich >social< und meint etwas ganz anderes. Das hat nun mal gar nix mehr mit sozial zu tun. Sozial ist nur noch so eine Art Anspruch auf Umverteilung. Am liebsten als Zuschuss, z.B. für Agrar oder so oder als Entlastung bei Abgaben und Steuern, z.B. für hohen Stromverbrauch. Der verodnungsgebende Minister meint dazu, Strom sparen wäre eine gute Idee. Wären wir nie darauf gekommen…

    Am besten ist, wir schaffen alles Bargeld ab, auch das schwarze…

  3. Ich schlage mal vor nachzuforschen, wie es mit Krebstoten per 100T Einwohner per Jahr in Israel ausschaut. Eine kleine Hilfe: die Zahl ist bald einstellig. Sie dürfen nämlich die hierzulande geunkte “Neue Deutsche Medizin” (freilich unter einem anderen Nahmen) verwenden, um ihre Leute zu heilen.

  4. Der histerische Historika // 15. Februar 2013 um 00:52 // Antworten

    “Der moderne Mensch ist ein Zinsknecht!”

    Das hat der gescheitelte Herr mit Bart aus Braunau schon als Punkt 14 von 25 in seinem NXDAP Programm untergebracht.

    Wenn wir aber ehrlich sind, ist der Hut schon 2000 Jahre alt, als Jesus die Wucherer – die Kinder des Teufels – aus den Tempeln warf.

    Aber solange es NWO Maulkorbgesetze gibt, wird sich nichts ändern.

  5. Der histerische Historika // 15. Februar 2013 um 00:54 // Antworten

    Sorry, war doch Punkt 11. ^^

    http://www.dhm.de/lemo/html/dokumente/nsdap25/index.html

  6. Was ist Geld?

    Die Frage ist nicht, ob es eine “Geldschöpfung der Geschäftsbanken” gibt (es gibt keine), sondern warum “staatlich geprüfte Experten” diesen Unsinn postulieren und warum es Dummköpfe gibt, die den “Experten” glauben:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/01/anfang-und-ende-von-gut-und-bose.html

    “Als Geldmenge bezeichnet man den volkswirtschaftlichen Bestand an Geld in den Händen von Nichtbanken. Wegen der Unschärfe des Geldbegriffs gibt es verschiedene definitorische Abgrenzungen von Geldmengen. Das Eurosystem unterscheidet drei Geldmengen: M1 (Sichtguthaben + Bargeld), M2 (M1 + kurzfristige Termin- und Spareinlagen) und M3 (M2 + kurzfristige Bankschuldverschreibungen + Geldmarktfondsanteile + Repogeschäfte). Für die geldpolitische Strategie des Eurosystems spielt die Beobachtung der Geldmengenentwicklung eine wichtige Rolle.”

    http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Glossareintraege/G/geldmenge.html

    Schon der erste Satz ist falsch, weil die Zentralbankguthaben der Geschäftsbanken, die zusammen mit dem Bargeld die Zentralbank-Geldmenge bilden, sich nicht “in den Händen von Nichtbanken” befinden. Darüber hinaus hat die Deutsche Bundesbank offenbar kein Problem damit, hier offen zuzugeben, dass sie keine blasse Ahnung hat, was Geld ist:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/01/geldtheorie.html

  7. Rundregelsatz // 22. Februar 2013 um 20:08 // Antworten

    zitat: “…in dem das alles einem IRGENDWIE komisch vorkommt,”
    ja, hier musste ich schmunzeln…man weiß, oder ahnt nur, die qualität lässt nach ;)

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