Unranmunition – das dunkle Geheimnis moderner Kriege
Unranmunition – das dunkle Geheimnis moderner Kriege

Unranmunition – das tödliche Geheimnis moderner Kriege

Die Geschosse durchbrechen Panzerwände. Und wen sie nicht gleich töten, den holt sich die tödliche Strahlung Jahre später. Oftmals sind die Opfer noch Kinder...

Nach 2001 ist über panzerbrechende Uran-Munition kaum etwas geschrieben oder berichtet worden. Eine Ausnahme war Grimme-Preisträger Frieder Wagner, der in Folge keine Aufträge mehr bekam. Zwölf Jahre nach 9/11 rückt das Thema wieder in die Öffentlichkeit.

Lange Zeit war es so, als ob ein Maulkorb über die gesamte Presse verhängt wurde. Wer heute versucht, über die Verwendung von Uranmunition Informationen zu recherchieren, der wird bei den Mainstream-Medien kaum fündig. Immerhin: Ein sehr informativer Spiegel-Artikel vom 13.01.2001 ließ sich dennoch auftreiben. Darin heißt es:

„Zu ihrer eigenen Überraschung stellten sie fest, dass nach dem Aufprall des 3,4 Kilogramm schweren DU-Pfeils einer 105-Millimeter-Granate mehr als 70 Prozent des Schwermetalls als Uranoxide in der Luft schweben. Die Salve aus der Gatling-Gun eines Kampfflugzeugs vom Typ A-10 „Warzenschwein“ mit dem die Amerikaner im Kosovo und am Golf Jagd auf Feindpanzer machten, bringt bis zu 100 Granaten ins Ziel. Vier Fünftel davon sind mit je 300 Gramm DU bestückt. Von den über 20 Kilogramm DU, die so abgefeuert werden, schweben wenig später 14 Kilogramm als giftiger Staub in der Luft.“

Und dieser Staub, die Rückstände führen bei Kontakt noch Jahrzehnte später zu Leukämie, Todgeburten und schwersten Missbildungen. Aber diese Geschosse sind sehr effektiv, da sie nicht nur Panzer durchbrechen, sondern zudem nach dem Durchschlag so heiß werden, dass sich im Fahrzeug befindende Soldaten sofort verbrennen. Es darf vermutet werden, dass nach 9/11 und den bevorstehenden Kriegen der USA gegen Afghanistan und Irak das Thema Uranmunition in der öffentlichen Debatte keine Rolle spielen sollte, da die USA, aber auch Großbritannien und Frankreich keinesfalls auf diese Munition verzichten wollten. Eine gemeinsame Vereinbarung zur Ächtung von Uranmunition fand entsprechend keine Zustimmung.

Nachdem der Journalist und mehrfache Grimmepreisträger Frieder Wagner im Jahr 2003 für den WDR die Reportage “Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra” drehte, stellte er nach weiteren Recherchen 2007 den Doku-Film “Deadly Dust – Todesstaub”/YouTube-Link fertig. Nur wollte sich kein Verleiher und auch keine Sendeanstalt an diesem Thema die Finger verbrennen. Wenn es das Internet bzw. YouTube nicht geben würde, wäre diese hervorragend recherchierte Arbeit in der Versenkung verschwunden. In der klassischen medialen Öffentlichkeit jedoch fand dieses Thema einfach nicht statt.

Als während der Invasion in Libyen im April 2011 ein US-Kampfflugzeug auf dem Weg nach Lybien in Deutschland abstürzte, spekulierten Journalisten unter vorgehaltener Hand darüber, ob sich vielleicht Uranmunition an Bord befunden habe, da es sich bei der Maschine um den im Spiegel-Artikel genannten Typ „Warzenschwein“ handelte. Das Thema war bekannt, die Befürchtungen berechtigt. Offen darüber zu schreiben traute sich aber niemand. Man kann davon ausgehen, dass Uranmunition in bisher allen kriegerischen Auseinandersetzungen zum Einsatz kam, zumindest wenn die USA oder Großbritannien beteiligt waren.

Laut Wikipedia wurde Uranmunition bisher in folgenden Gebieten eingesetzt:

” … mehrere tausend Tonnen Uranmunition überwiegend in indisch-pakistanischen Grenzkonflikten, in Tschetschenien, während der sowjetischen Intervention in Afghanistan, im Bosnien-Krieg, im Kosovo-Krieg, im Zweiten Golfkrieg und im Irakkrieg eingesetzt. Alleine während eines dreiwöchigen Einsatzes im Irakkrieg 2003 wurden von der Koalition der Willigen zwischen 1000 und 2000 Tonnen Uranmunition eingesetzt.“

Nun aber bewegt sich wieder was: Die ARD brachte in ihrer Sendung „Weltspiegel“ die Reportage “Irak: Uranmunition – das strahlende Vermächtnis/Mediathek-Link“. Thematisch ist dieser Bericht zwar nur eine Kurzversion von der bereits zehn Jahre zuvor gezeigten Reportage von Frieder Wagner (“Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra”/YouTube-Link). Aber immerhin: Es darf wohl wieder berichtet werden.

Auch die Partei Die Linke sorgte mit ihrem Antrag auf Verbot von Uranmunition am 30. Januar 2013 dafür, dass die Website bundestag.de eine entsprechende Meldung übers Internet verbreiten musste. Interessant ist hierbei folgendes:

„Die Fraktion Die Linke setzt sich für eine weltweite Ächtung von Uranmunition ein. In ihrem entsprechenden Antrag (17/11898) fordert sie die Bundesregierung auf, die Herstellung, den Einsatz, den Verkauf und die Lieferung von Munition, die abgereichertes Uran enthält, zu untersagen.“

Sind auch deutsche Unternehmen wieder ganz vorn mit dabei? Es bleibt zu hoffen, dass das Thema „Uranmuntion“ hier nicht nur kurz aufflackerte, sondern dass in den Medien eine offene und mutige Debatte endlich stattfinden wird. Fest steht jedoch: Für unzählige Kinder käme diese schon längst zu spät.

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Über Björn Kügler

Björn Kügler ist freier Schreiber. Auf GEOLITICO beschäftigt er sich vornehmlich mit gesellschafts-politischen und sicherheitspolitischen Themen. Kontakt: Webseite | Facebook | Twitter | Weitere Artikel