SPD-Campaigner sollen Steinbrück von Tür zu Tür vermarkten

Die SPD startet mit Helmt Schmidt und Gerhard Schröder in den Bundestagswahlkampf. Ihren neuen Kanzlerdandidaten Peer Steinbrück will die Partei auf der Straße anpreisen.

Die Spitze der SPD (v.l.): Kandidat Peer Steinbrück, Parteichef Sigmar Gabriel und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier / Screenshot aus einem Video im Text Die Spitze der SPD (v.l.): Kandidat Peer Steinbrück, Parteichef Sigmar Gabriel und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier / Screenshot aus einem Video im Text

Zum Euro und der Finanzkrise fiel kein Wort, als SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles heute Morgen den „Krönungsparteitag“ für Peer Steinbrück am Samstag und Sonntag in Hannover ankündigte. In einer gerade mal drei Seiten umfassenden Resolution wird die Partei sich in Hannover für eine Besteuerung von Vermögen und eine Frauenquote in der Wirtschaft aussprechen, sie will das Ehegattensplitting und die „Zwei-Klassen-Medizin“ abschaffen. Vermutlich wird Steinbrück in seiner Rede am Sonntag dann noch einmal sein inzwischen hinlänglich bekanntes Euro-Programm darlegen.

Altkanzler Helmut Schmidt hat sein Kommen zugesagt. Ob er allerdings reden werde, sei noch offen. Zu den Ehrengästen zählt auch Gerhard Schröder mit Frau Doris Schröder-Köpf. Die beiden hätten allerdings nichts weiter geplant. „Jedenfalls ist mir nichts bekannt“, so Nahles. Und selbstverständlich rechne sie damit, dass der Spitzenkandidat zur Bundestagswahl mit über 90 Prozent der Delegiertenstimmen gewählt werde.

Blickfang des Parteitages soll eine eigens für den Steinbrück-Wahlkampf entwickelte „Dialog-Box“ sein. „Das ist eine runde rote Tonne, mit der wir die Steinbrück und seine Politik auf die Marktplätze bringen“, sagte Nahles.

Auf die Dialog-Box allein wollen sich die Sozialdemokraten jedoch nicht verlassen. Demnächst würden eigens Campaigner für einen Tür-zu-Tür-Wahlkampf ausgebildet, sagte die Generalsekretärin.  Damit hätten sie beispielsweise in Bremen sehr gute Erfahrungen gemacht.

Diese Campaigner gehen gezielt in jene Stadtteile, in denen es traditionell eine hohe Verbundenheit der Wähler mit den Sozialdemokraten gibt, die Wahlbeteiligung in den vergangenen Jahren jedoch sehr niedrig war. „Auf diese Weise ist es uns gelungen, die Wahlbeteiligung in diesen Stadtteilen zu verdoppeln“, sagte Nahles.

Anders als in früheren Jahren ist diesmal die Generalsekretärin nicht unmittelbar in die Wahlkampfplanung eingebunden. Für diese Arbeit hat Steinbrück handverlesene Leute eingestellt. Einer von ihnen war Roman Koidl. Er sollte den Internet-Wahlkampf leiten. Weil er aber früher schon mal für zwei Hedge Fonds gearbeitet hat, musste er bereits gehen musste. Seinen Job übernimmt nun der frühere Bild-Zeitungs-Reporter Hans-Jörg Vehlewald.

„Ich bin von Peer Steinbrück beauftragt worden, das Regierungsprogramm zu erarbeiten“, sagte Nahles. Das sei ausdrücklich so gewünscht. Wie eine ausgewiesene Parteilinke wie Nahles für den ausgewiesenen Parteirechten Steinbrück ein Regierungsprogramm erarbeiten kann, bleibt vorerst das Geheimnis der SPD. Beschließen will sie es auf einen Parteitag am 14. April kommenden Jahres in Bayern.

Über Günther Lachmann

Günther Lachmann ist Journalist und Autor. In seinen Beiträgen befasst er sich unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, zuletzt gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel

3 Kommentare zu SPD-Campaigner sollen Steinbrück von Tür zu Tür vermarkten

  1. “Peer Steinbrück will die Partei auf der Straße anpreisen.”

    Das ist nur nicht sein natürliches Metier. Bin gespannt ob und wie ihm dass gelingt.

    “Blickfang des Parteitages soll eine eigens für den Steinbrück-Wahlkampf entwickelte „Dialog-Box“ sein. „Das ist eine runde rote Tonne, mit der wir die Steinbrück und seine Politik auf die Marktplätze bringen“, sagte Nahles.”

    Das hat fast schon symbolträchtigen Charakter. Wird der Boden der Tonne weggelassen, ist sie ein gutes Bild für die Politik der SPD Geld für die Euro-Rettung in ein Faß ohne Boden zu schütten.

    Die CDU/CSU zieht dann mit der schwarten bodenlosen Tonne in den Wahlkampf und die Grünen… Nun ja…

    • Kleiner Tipp von mir: Die Tonnen ohne Boden auf einen Schredder stellen und die Wahlversprechen oben reinwerfen. Das Volk kann sie dann untern wieder rausholen und sich so zusammen puzzeln, wie sie meinen es verstanden zu haben oder gewünscht hätten.

  2. Unser Gesprächskreis wird so höflich sein und die Klinkenputzer der SPD ins Haus bitten, um das Gesagte dann gemeinsam mit dem roten Hausierer mit einem Korn durch die Kehle herunterspülen.

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/12/04/wahlkampf-mit-klinkenputzen-und-dinnerspeech/

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