Die FDP macht ihr Programm zum Bilderbuch

Hier geht's zum FDP-BilderbuchParteiprogramme liest eh niemand, sagten sich einige kreative Köpfe um den Binger Liberalen und Kommunikations-Experten Hasso Mansfeld. Also beschlossen sie, ein Bilderbuch daraus zu machen.

Das ist kein Witz. Sie sehen darin einen Versuch, liberale Politik in neuem Gewand zu präsentieren. „Mit den Bildern wollen wir emotionale Zugänge zum Liberalismus und der FDP eröffnen“, sagt Mansfeld im Gespräch mit „Welt Online“ über das derzeit auf einer Facebook-Seite entstehende Projekt. Später solle daraus eine eigene Broschüre werden.  Die Parteiführung sei jedenfalls begeistert.

Grundlage des Bilderbuches sind die im April dieses Jahres auf dem Karlsruher Parteitag beschlossenen „ 101 Freiheitsthesen der FDP für eine offene Bürgergesellschaft“.  Darin zeigen die Liberalen unter anderem auf, wie „die sechs Traditionen des Liberalismus zusammenwirken: Die Tradition des Bürgerrechts- und Rechtsstaatsliberalismus, und die Tradition des sozialen Liberalismus. Unsere Fortschrittstradition und die Tradition des nationalen Liberalismus, die wir zu einer neuen Tradition des internationalen Liberalismus fortentwickeln. Die Tradition des Wirtschaftsliberalismus und die Tradition des politischen Liberalismus.“ All das soll nun ins rechte Bild gesetzt und so leichter konsumierbar werden.

Auf das Foto eines Mannes, der im Sonnenuntergang am Meer die Arme weit ausstreckt, projiziert die Initiative „FDP Liberté“ die erste Karlsruher These „Die Freiheit des Einzelnen ist Grund und Grenze liberaler Politik“. Eine Szene aus einem Fußballspiel dokumentiert die Aussage „Freiheit braucht Fairness und Verantwortung“. Und ein kleiner Junge auf einem Fahrrad steht für „Vertrauen auf Fortschritt durch Selbstbestimmung“.

Lässt sich so Politik darstellen? Vor allem: Gewinnt sie auf diese Weise Ansehen und Respekt zurück? Hassos Mansfeld jedenfalls glaubt fest an den Erfolg seiner Initiative. „Die Chance ist durchaus da, der Partei  so über die sozialen Netzwerke mehr Geltung und Akzeptanz verleihen, weil wir neue Zugänge zum Liberalismus schaffen“, sagt er. Die Fremdakzeptanz folgt immer nur  der Selbstakzeptanz. „ Erst wenn wir uns auch selbst wieder mögen, mögen uns auch die anderen“, so Mansfeld. „Aber es geht in der Politik immer auch um Coolness. Entweder ist man cool oder nicht. Coolness lässt sich nicht von oben verordnen“, sagt er. „Die  Aktion FDP Liberté ist es, denn wir nehmen uns auch selber auf die Schippe. Es war ja nicht alles toll, was die FDP in den letzten Jahren zu Wege gebracht hat.“

Die Initiative „FDP Liberté“ versteht sich als „Graswurzelbewegung des Liberalismus“.  Ihre Mitstreiter fanden über den Landtagswahlkampf im Saarland zueinander. Damals kam Mansfeld die Idee, den herkömmlichen Wahlkampf-Plakaten etwas Neues entgegenzusetzen und den Wahlkampf per Crowdsourcing im Internet  mehr Schwung zu verleihen. „FDP Liberte´“ war geboren, ein Slogan, der freilich der Werbung für eine bekannte französische Zigarettenmarke nicht ganz unähnlich ist. Mansfeld ficht das nicht an: „ Haben wir erst später gemerkt. ist aber auch egal. Im Gegenteil: wir haben sogar die Zigarettenmotive mit in die Kampagne eingebaut “ erläutert er den unbefangenen Umgang mit politischer Kommunikation. Anfangs reagierte die Partei zurückhaltend. Doch das änderte sich bald, da die Kampagne im Internet rasend schnell Fahrt aufnahm. Tausende  Anhänger und Sympathisanten setzten sie gegen bereits gefasste Beschlüsse durch. Zumindest im Vorwahlkampf plakatierte die Saar-FDP einmal „Liberté statt Lafontaine“.  In der Wahlkampfberichterstattung der deutschen Medien über die Landtagswahlen vom Saarland, Schleswig-Hosten und auch in NRW fanden sich viele der Liberté-Motive wieder.

Und nun sind die Thesen-Bilder dran. „Eine tolle Aktion von Liberté!“, lobt FDP-Generalsekretär Patrick Döring nun die Bilderbuch-Idee auf Facebook. „Ich würde mich freuen, wenn sich daran viele beteiligen. Mein Vorschlag: Schickt uns doch euer Motiv auch an [email protected] – die schönsten Ideen werden von uns prämiert und im Thomas-Dehler-Haus ausgestellt.“ Auch Fraktionschef Rainer Brüderle soll ganz angetan sein.

Günther Lachmann am 6. Juni 2012 für Welt Online

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Über Günther Lachmann

Der Publizist Günther Lachmann befasst sich in seinen Beiträgen unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, darunter gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel