Kann diese Internet-Kampagne die FDP retten?

Virtuelle FDP-Kampagne

Soll die FDP an der Saar so plakatieren?

Im Saarland fliegen die Liberalen aus der Regierung. In bundesweiten Wahlumfragen kommen sie auf gerade noch drei Prozent. Ihre Spitzenpolitiker rangieren in der Popularitätsstatistik abgeschlagen auf den Ränge neun und zehn des aktuellen ZDF-Politbarometers. Inzwischen ist es sogar soweit, dass die Demoskopen für ihre Umfragen nicht mehr genügend FDP-Wähler finden und die Partei zu bestimmten Fragepunkten gar nicht mehr auftaucht. Und dann diese Kampagne!


Die FDP steckt in einem historischen Dilemma, sie kämpft um nicht weniger als das nackte Überleben. Und ausgerechnet in dieser misslichen Lage muss sie nun in einen außerplanmäßigen Wahlkampf ziehen!
Spätestens seit die saarländische CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer die Koalition mit der FDP aufkündige, scheint das Schicksal der Saar-Liberalen besiegelt. Der Rausschmiss, darin sind sich die meisten Beobachter einig, war der politische Todesstoß. Kaum noch jemand glaubt daran, diese Partei bis zu den Neuwahlen wieder zum Leben erwecken zu können.
Doch nun taucht da diese Kampagne im Internet auf. „Liberté statt Lafontaine“ und „FDP Liberté„, heißt es da auf eilig ins Netz gestellten Fotomontagen, die allerdings so gut gemacht sind, dass sie der Betrachter kaum von echten Wahlplakaten unterscheiden kann. Auf der Facebook-Seite „FDP Liberté“ finden die User zudem ein fundiertes Bekenntnis zum Liberalismus. Urheber dieser Kampagne ist nicht etwa die Saar-FDP selbst. Nein, die ist sich noch nicht einmal sicher, was sie davon halten soll. Die Idee stammt von dem Binger Kommunikationsberater und FDP-Mitglied Hasso Mansfeld. Sie kam ihm beim Küchenplausch mit seiner alten Freundin, der Kommunalpolitikerin Nathalie Zimmer, die zusammen mit dem Landesvorsitzenden Oliver Luksic ihre Partei in den Wahlkampf führen soll.
Kaum hatte Mansfeld die Plakate auf seiner Facebook-Seite gepostet, lief die FDP-Gemeinde im Netz heiß. „Ich finde, dieses Plakat muss der Auftakt einer neuen innerparteilichen Kultur sein – nämlich, dass man immer zuerst über die Freiheit spricht. Nicht über „Wachstum“, „Wohlstand“ und „Wirtschaft“, schreibt dort einer der ersten. Ein anderer: „In der Hoffnung, dass Sie mehr Glück als andere haben. Derartige Vorstöße gab es einige. Aber der Zeitpunkt könnte günstig sein.“ Wenige Stunden nach ihrem Erscheinen war die „Liberté“-Idee auch über die liberalen Zirkel hinaus bekannt. Sogar ein Sozialdemokrat lobt: „Eine schöne Kampagne.“
Sie reizt die Internet-User offenbar so sehr, dass es erste Abwandlungen gibt. Auf einer steht: „FD´P – Wir sterben in Würde für Eure Freiheit“. Dazu postet der User: „Wir bitten, von Blumenspenden und Kranzniederlegungen abzusehen. Die Urnenbestattung wird anonym auf hoher See stattfinden. Auf Wunsch des Verstorbenen haben wir ein Spendenkonto für die Freiheit eingerichtet.“
Nach all diesen Reaktionen wendet sich Mansfeld per E-Mail an den FDP-Fraktionschef im Bundestag, Rainer Brüderle. „Den liberal denkenden Menschen gefällt diese Kampagne sehr“, schreibt er. „Die freiheitliche Überzeugung ist Grundlage all unseres politischen Handelns. Freiheit ist der Kontext, in dem wir jede unserer politischen Entscheidungen begründen müssen.“
Gegenüber „Welt Online“ sagt er: „Die Botschaft ist klar: Die Liberalen sind frei, alle anderen an der Saar sind links.“ Außerdem betone das französische „Liberté“ die Nähe und Verbundenheit der Saarländer mit Frankreich. „Insofern ist es auch eine europäische Botschaft“, sagt Mansfeld.
„Liberté statt Lafontaine“ wäre nicht die erste erfolgreiche Idee des Bingener Kommunikationsberaters. Bekannt wurde er in den neunziger Jahren als Erfinder der Image-Kampagne „Ostpakete für den Westen“, mit der Produkte aus den neuen Bundesländern auch im Westen bekanntgemacht werden sollten. Vorbild für diese Aktion waren die „Westpakete“, die Bundesbürger in der Zeit des Kalten Krieges an Verwandte und Bekannte in der DDR geschickt hatten. Der Osten reagierte und schickte 1,2 Millionen Pakete mit Lebensmitteln zur Westverwandtschaft. Es folgte die Kampagne „Bio goes Lifestyle“, in deren Nachgang sich das altbackene Image der Ökoprodukte radikal wandelte. Für diese und andere Aktionen wurde er dreimal mit dem deutschen PR-Preis auszeichnet. Nun will er auch der FDP zu neuem Erfolg verhelfen.

Ganz einfach dürfte das an der Saar freilich nicht werden. Seit gut zwei Jahrzehnten blockiert sich der kleine Landesverband durch immer neue Personalquerelen immer wieder selbst. In der Zeit von 1990 bis 2002 scheiterten fünf Landesvorsitzende an der Einigung der zerstrittenen Landespartei. Erst 2004 führte Christoph Hartmann die FDP wieder in den saarländischen Landtag. Vor drei Jahren rückten die Liberalen dann mit 9,2 Prozent der Stimmen in das Kabinett des damaligen CDU-Ministerpräsidenten Peter Müller.
Doch nur ein Jahr nach dem Einzug in die Landesregierung erbebte die FDP von neuem. Anlass waren Streitereien über die parteinahe „Villa Lessing – Liberale Stiftung Saar“. Ihnen folgte im Dezember 2010 der Doppelrücktritt von Hartmann vom Amt des Parteivorsitzenden und von Horst Hinschberger als Fraktionschef. Vor einem Jahr übernahm dann der Bundestagsabgeordnete Oliver Luksic nach einer Kampfabstimmung gegen Gesundheitsminister Georg Weisweiler die Parteispitze. Zwar ist Luksic nun bei den Neuwahlen am 25. März 2012 Spitzenkanidat, doch die Hoffnungen der Saar-Liberalen ruhen auf Nathalie Zimmer. Sie soll nach dem Vorbild der Hamburgerin Katja Suding verlorene Sympathien zurückgewinnen.

Günther Lachmann am 1. Februar 2012 für Welt Online

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Über Günther Lachmann

Günther Lachmann ist Journalist, Autor und strategischer Berater der Thüringer AfD-Fraktion. In seinen Beiträgen befasst er sich unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, zuletzt gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel