Ex-Merkel-Berater Pfaffenbach heuert bei US-Bank JP Morgan an

Hier geht's zu JP MorganAls Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium hatte Bernd Pfaffenbach gelegentliche Anfragen aus der Wirtschaft immer dankend abgelehnt. Nach seiner Pensionierung im Mai dieses Jahres entschied er sich dann allerdings anders und heuerte inmitten der Schulden- und Finanzkrise bei einer der größten US-Banken an. Als Senior Adviser berät der 65 Jahre alte Pfaffenbach nun den Bankriesen JP Morgan Chase in „strategischen und wirtschaftspolitischen Themen“. Das bestätigte die Bank gegenüber dem „Tagesspiegel“.

Mit Pfaffenbach wechselt nicht irgendwer ins US-Bankgewerbe. Kaum ein Beamter hat eine solche Karriere hingelegt wie er. Zuletzt war er einer der wichtigsten Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und bereitete als sogenannter Sherpa die Verhandlungen bei mehreren G-8-Gipfeln vor. Schon unter den Kanzlern Gerhard Schröder (SPD) und Helmut Kohl (CDU) arbeitete Pfaffenbach als Staatssekretär.

Als Pfaffenbach im Mai aus dem Amt schied, behielt er seine Zukunftspläne für sich. In einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ sagte er damals auf die Frage, ob die Wirtschaft ihn denn nie gelockt habe: „Doch, doch. Aber ich habe dem widerstanden. Na gut, es ist schon ab und zu ein Angebot gekommen, gerade in den letzten Jahren. Es ist ja kein Geheimnis, dass die Einkommen in der Wirtschaft lukrativer sind. Ich habe mich trotzdem immer ziemlich schnell dagegen entschieden. Ich habe mir gedacht, ich habe einen Job, und den ziehe ich durch.“ Er arbeite gern für den Staat, sagte Pfaffenbach damals, weil er etwas für sein Land tun wolle.

In den letzten Jahren kämpfte Pfaffenbach auf weltpolitischer Ebene im Auftrag der Kanzler Schröder und Merkel für eine Liberalisierung der Märkte. Dabei musste er den einen oder anderen Rückschlag einstecken. Etwa zur Zeit der rot-grünen Koalition, als Franz Müntefering plötzlich seine Kampagne gegen die „Heuschrecken“ startete. Damals schrieb „Capital“ über die Liberalisierung der Dienstleistungsmärkte in der Europäischen Union: „Doch tatsächlich zieht Deutschlands oberster Hüter der Marktwirtschaft immer öfter den Kürzeren. Vergebens wehrte er sich jetzt gegen eine neue Task-Force, in der eine Hand voll Beamte Sozialdumping im Gefolge der EU-Osterweiterung zu bekämpfen haben. Pfaffenbach muss die Liberalisierung der Dienstleistungsmärkte in der EU auf Eis legen lassen und obendrein schlucken, dass Niedriglöhne durch allgemein verbindliche Tarifverträge verhindert werden sollen.“

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Das Foto zeigt Bernd Pfaffenbach

Als Merkels Chefunterhändler für Außenwirtschaftsfragen glaubte Pfaffenbach schon bald nach Ausbruch weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise infolge des Zusammenbruchs der US-Bank Lehman Brothers an eine schnelle Erholung. Die Krise sei auch ein „reinigendes Gewitter“, wird Pfaffenbach am 29. September 2009 vom „Spiegel“ zitiert. „Allzu lange haben US-Amerikaner und Briten die Deutschen für ihre risikoscheue Bausparermentalität belächelt“, sagte Pfaffenbach demnach. Nun aber zahle es sich aus, dass die Deutschen in Finanzdingen vergleichsweise konservativ seien. „Man sieht, dass wir auf einer solideren Basis stehen.“ Die Ära des von den Finanzmärkten getriebenen Turbo-Kapitalismus gehe zu Ende, interpretierte der „Spiegel“ die Worte des damaligen Chefökonomen der Bundesregierung. Ein fataler Irrtum.

Während seiner Arbeit für die Bundesregierung knüpfte Pfaffenbach über die Jahre zahlreiche internationale Kontakte. Aus einigen seien sogar Freundschaften entstanden, gestand er im Interview mit dem „Tagesspiegel“ im Mai dieses Jahres: „Ich war dienstlich in den vergangenen Monaten in allen diesen Hauptstädten, und überall habe ich die Sherpas getroffen, obwohl ich diese Aufgabe nicht mehr habe. In Washington habe ich vor wenigen Wochen drei ehemalige Kollegen gesehen. Das sind echte Freundschaften.“ Er empfange auch laufend frühere Sherpas. In seiner neuen Tätigkeit für JP Morgan dürften ihm diese Kontakte zugute kommen.

Günther Lachmann am 7. Dezember 2011 für Welt Online

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Über Günther Lachmann

Günther Lachmann ist Journalist, Autor und strategischer Berater der Thüringer AfD-Fraktion. In seinen Beiträgen befasst er sich unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, zuletzt gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel