Hilferuf eines griechischen Unternehmers

Hier geht's zu Stbetherm S.A.In meinem letzten Beitrag „Diese Krisenpolitik beschleunigt den Zerfall Europas“ habe ich auch auf den griechischen Unternehmer Emmanouel Kastanakis Bezug genommen. Jetzt hat mir Kastanakis einen Brief geschrieben, in dem er die wirtschaftliche Lage des Landes aus seiner Sicht schildert. Dieser Brief ist ein Hilferuf. Kastanakis gab mir die Erlaubnis, ihn zu veröffentlichen. Hier ist er:

Sehr geehrter Herr Lachmann,

vielen Dank für Ihr Interesse an der wirtschaftlichen Entwicklung in Griechenland und auch an der Auftragslage unseres Unternehmens. In den vergangenen Monaten hat sich bei uns wenig geändert. Die griechischen Banken, habe, wie alle anderen europäischen Finanzinstitute auch, die Kredite an die griechischen Unternehmen kürzt und in einigen Fällen ganz eingestellt. Sie begründen dies mit dem hohen Ausfallrisiko. Auf diese Weise kam die Realwirtschaft vollständig zum Erliegen.

Unser Unternehmen ist eine der wenigen Ausnahmen. Da wir unter Gläubigerschutz stehen, arbeiten wir noch. Im Bereich der erneuerbaren Energien produzieren wir Solarkollektoren und Photovoltaikmodule. Außerdem betreiben wir ein ähnliches Geschäftsprojekt mit unserem Tochterunternehmen, der Fa Stibetherm SA, im 50 Kilometer entfernten  Kilkis. Stibeltherm firmierte früher unter dem Namen Stiebel Eltron Hellas.

Da aber auch hier das Umlaufkapital fehlt, kommen wir nicht weiter. Es gibt mehrere Gespräche mit den Banken aber auch mit dem Ministerium für Entwicklung, und

wir warten auf einen sonnigen Tag!

Über meine Funktion als ehemaliger Vorstands-Vorsitzender des Verbandes der Griechischen Solarindustrien (2003-2011) und als Vorstandsmitglied der Deutsch-Griechischen Industrie-  und Handelskammer (2004-heute) habe ich es zu Beginn des Jahres in einer öffentlichen Rede gewagt, die Verlagerung des Desertec-Projektes von Nordafrika nach Griechenland vorzuschlagen. Seit damals sprach ich mit mehreren Entscheidungsträgern in Deutschland aber auch in Griechenland darüber. Offiziell informierte ich über die Deutsch-Griechische Industrie und Handelskammer die zuständigen Stellen. Mit Erfolg. So wurde das Desertec-Projekt zum Helios-Projekt umbenannt. Ich freue mich sehr, dass meine Idee als offizieller Vorschlag in Griechenland und Deutschland wohlwollen aufgenommen worden ist. Inzwischen ist das Projekt sogar von der Gipfelkonferenz am 26. Oktober beschlossen worden. Ich bin froh darüber, wenn Griechenland auf diese Weise geholfen werden und zugleich die in Deutschland durch den Ausstieg aus der Kernenergie entstehende Versorgungslücke ein Stückweit geschlossen werden könnte.

Leider müssen wir auf die positiven Auswirkungen dieses Projektes wohl noch lange warten. Das ist bei dem Besuch Ihres Wirtschaftsminister, Herrn Philip Rösler, in Griechenland und seinen Gesprächen mit unserem Minister für Entwicklung, Herrn Michalis Chrisohoidis, deutlich geworden. Es gibt Netzanschlussprobleme für den Energietransport von Griechenland nach Deutschland. Außerdem soll nach Angaben der Minister die Europäische Investitionsbank das Vorhaben unterstützen.

Das dauert alles viel zu lange!

Die Ausführung eines solchen Projektes würde die reale Wirtschaft von Griechenland ankurbeln. Die Zusammenarbeit mit entsprechenden deutschen Unternehmen der Photovoltaikbranche würde auch unser Unternehmen ankurbeln. Die Frage ist nur: Wann?

Mit freundlichen Grüßen

Emmanouel Kastanakis

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Über Günther Lachmann

Günther Lachmann ist Journalist, Autor und strategischer Berater der Thüringer AfD-Fraktion. In seinen Beiträgen befasst er sich unter anderem mit dem Wandel des demokratischen Kapitalismus. Er veröffentlichte mehrere Bücher, zuletzt gemeinsam mit Ralf Georg Reuth die Biografie über Angela Merkels Zeit in der DDR: "Das erste Leben der Angela M." Kontakt: Webseite | Twitter | Weitere Artikel